Jackie Mendoza – „LuvHz“ (Rezension)

Cover des Albums „LuvHz“ von Jackie Mendoza

Jackie Mendoza – „LuvHz“ (Luminelle Records)

7,8

Mache Dinge im Leben brauchen Zeit. Das gilt auch für Musik. Dank Plattformen wie Bandcamp oder Soundcloud wird heutzutage der Zeitraum zwischen der Fertigstellung eines Songs und dem Aussetzen in die Welt immer kürzer. Für die Unabhängigkeit einer Künstlerin oder eines Künstlers ist das super. Doch für den Reifungsprozess der Kunst ist das nicht immer ideal. Die Streaming-Plattformen quellen nur so über mit halbgaren Tracks, die nie wirklich über ihren Demo-Status hinausgewachsen sind.

Jackie Mendoza hat sich viel Zeit genommen. Ihre erste Single „Closer“ erblickte 2013 das Licht der Welt. Es sollten sechs Jahre vergehen, bis die Debüt-EP der mexikanisch-US-amerikanischen Musikerin erscheint. „Closer“ war ein minimalistischer Indie-Folk-Song über die Flucht in die Natur, ausschließlich begleitet von Mendozas zart gezupfter Ukulele. 2019 ist das Instrument immer noch eines ihrer wichtigsten Werkzeuge – doch der Sound ist so weit von seinem Ursprung entfernt, wie er nur sein könnte. Die sechs Stücke von „LuvHz“ zeigen eine Künstlerin, die lange über ihren nächsten Schritt nachgedacht hat – und mit liebevoller Detailarbeit einen ganz eigenen Klangkosmos erschaffen hat.

Basslastige Unterwasserwelt

„LuvHz“ beginnt desorientierend. „Mucho Mas“ klingt in etwa so, als würde man unter der Meeresoberfläche kauernd einer am Strand wütenden Reggaeton-Party zuhören. Die Bassdrum pocht so Dumpf wie der eigene Herzschlag. Die Synthesizer kreisen wie Luftblasen um den eigenen Kopf in Richtung Oberfläche. Mendozas Stimme bewegt sich in unvorhersehbaren Bahnen, erst ein repetitives Mantra, dann plötzlich ein hektisches Stoßgebet. Während all dem kann man glatt vergessen, wo oben und wo unten ist.

Diese seltsamen Landschaften schuf Mendoza gemeinsam mit dem Produzenten Rusty Santos, der auch auf Panda Bears jüngstem Album „Buoys“ die tiefen Frequenzen zum Singen brachte. Nach diesem aufreibenden Einstieg zieht der Pop in ihre basslastige Unterwasser-Welt ein. „What I Need“ und „Your Attention“ sind kunstvolle House-Pop-Perlen in der Tradition von Planningtorock. Immer wieder blitzt Mendozas Ukulele als erdender Anker auf. Doch auch die strahlendsten Momente verklärt sie stets mit wabernden Synthesizer-Arpeggios und psychedelisch übereinander geschichteten Harmoniegesängen. Es ist ihr ganz eigener Entwurf von Pop-Musik, eingängig, aber immer herausfordernd. Und jedem Ton merkt man an, dass er bedacht und mit viel Liebe zum Detail gesetzt wurde. Jede gesungene Silbe, jeder Bassdrumschlag hat Gewicht. So ein selbstbewusstes Debüt kann man nicht in ein paar Wochen zusammenschustern. So etwas braucht Zeit.

Veröffentlichung: 26. April 2019
Label: Luminelle Records

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