
Sudan Archives ist in unserem Track des Tages zwischen altem und neuem Selbst (Foto: Yanran Xiong)
Unser Track des Tages „Dead“ ist eine neue Single der US-amerikanischen Musikerin, Rapperin und Sängerin Sudan Archives. Der Song ist das erste wirkliche Lebenszeichen der Künstlerin Brittney Denise Parks aus Cincinnati seit ihrem Album „Natural Brown Prom Queen“ aus 2022. In den knapp drei Jahren seit der Veröffentlichung ihrer zweiten LP erschienen bislang nur ein paar Remixe. Nun ist sie zurück mit einem Song, der klingt wie nichts anderes, was sie bislang gemacht hat. Aber im Prinzip ist das keine Überraschung, ist Parks doch ohnehin ständig in Bewegung. Mit 19 von Ohio nach Los Angeles gezogen, fand sie mit ihrem experimentellen Leftfield-HipHop- und Alternative-R&B-Ansatz eine Heimat beim Label Stones Throw Records. Im Jahr 2017 etablierte ihre selbstbetitelte Debüt-EP so etwas wie eine musikalische Handschrift. Als Alleinstellungsmerkmal nennt man gerne ihr Geigenspiel, das sie autodidaktisch erlernt hat und das sich auf sudanesische, ägyptische oder auch irische Traditionen bezieht.
Natürlich ist das auch das auffälligste Charakteristikum. Doch es kommt auch immer auf den Kontext an, den man einem ungewöhnlichen Sound bietet. Tatsächlich ist Parks nämlich auch noch eine interessante Beatmakerin und waghalsige Songwriterin. So neigt sie nicht dazu, eine Formel auszureizen. Stattdessen scheint Parks von kreativer Unrast getrieben. Zu Höchstform lief sie 2019 auf ihrer ersten LP „Athena“ auf, auf der sich zu atmosphärischen Avantgarde-Stücken ausgefeilte Hits wie „Glorious“ gesellten. Funkier, dreckiger und mindestens genauso gut gestaltete sich „Natural Brown Prom Queen“. Noch immer spielte die Geige eine wichtige Rolle, aber eher als Klangfarbe denn als Gimmick. Auf der neuen Single schwellen Synths und Violine gut 30 Sekunden zur Fläche an, bevor Parks von Selbstsuche singt. Das alte Ich ist weg, das neue noch nicht da. Nach anderthalb Minuten kulminiert die Anspannung kurz in einem schnellen EDM-Beat. Nachdem dieser implodiert, meldet sich das Selbst zurück: „Hello, it’s me / Did you miss me? / Just take this piece / The best of me“. Und diese Selbstversicherung reicht für einen Ego-Schub, flankiert durch Drum-&-Bass-Anleihen.
Die Single „Dead“ von Sudan Archives ist auf dem Label Stones Throw erschienen. Heute ist der Song unser Track des Tages. Hört und seht ihn Euch hier an: