Zehn Fragen an: Alice Peters-Burns (Kaleidoskop)

Foto von Alice Peters-Burns

Puzzelt aus Songs immer wieder neue Muster und Stimmungen: Kaleidoskop-Moderatorin Alice Peters-Burns

Bricht man das Wort Kaleidoskop auf seine griechischen Einzelteile herunter, dann ergibt die wörtliche Übersetzung „schöne Formen sehen“. Will man diese zauberhafte Geometrie lieber hören als sehen, dann sollte man montags um 17 Uhr ByteFM anschalten. Dann entfaltet Alice Peters-Burns ihr Kaleidoskop, in dem sich musikalische Bausteine aus Indie-Pop/Rock, Dance und Americana zu einem glitzernden großen Ganzen zusammenfügen.

Seitdem Alice im Alter von 17 Jahren anfing, zu moderieren, hat sich die Musik- und Radiowelt auf vielfältige Art und Weise verändert. Was unverändert geblieben ist: Ihre Liebe zur Musik. Wir haben mit Alice über belgisches Radio, reale und fiktive Traumreisen und den Kampf gegen den musikalischen Einheitsbrei gesprochen.

Liebe Alice, wie bist Du zu ByteFM gekommen? Wie lange bist Du schon dabei?

Aus meiner Leidenschaft, dem Musikhören, war ein ziemlich raumgreifendes Hobby geworden: Das Teilen der Liebe bei einem Regionalsender. Schnell sprachen mich so viele KünstlerInnen an, dass ich dachte, der Radius müsse ihnen zuliebe noch erweitert werden. Meiner Idealvorstellung einer Radiostation kam ByteFM verdammt nahe und so habe ich mich 2015 beworben und darf seither in einem tollen Team für ebenso tolle HörerInnen jeden Montag ab 17 Uhr moderieren.

Beschreibe die Essenz Deiner Sendung Kaleidoskop in fünf Worten:

Komplettbausatz-Parallelwelt aus Musik und Wort.

Deine Radiokarriere begann bereits im Alter von 17 Jahren. Wie hat sich Deiner Meinung nach die Radiolandschaft seitdem verändert?

Der wesentliche Unterschied für mich persönlich ist natürlich einerseits die Möglichkeit, Sendungen zu Hause produzieren zu können und mal eben zu streamen, mich dabei aber leider nicht in einem Funkhaus mit KollegInnen austauschen zu können, sondern mit der apfelgrünen Wand vor meiner Nase zu reden. Allgemein sind wohl die großen Revolutionen in der Radiolandschaft recht schnell der Kommerzialisierung erlegen, als da wären: Viele Privatstationen boten den öffentlich-rechtlichen Anstalten Paroli, mussten sich aber später aus finanziellen Gründen dem Mainstream anpassen – mehr, als das heute die GebührenempfängerInnen müssen. In den letzten Jahren die Digitalisierung, Segen für die Musikverbreitung durch die Musikschaffenden selbst, aber auch der Beginn der Streamingdienste. Probates Mittel gegen solche Erscheinungen war und ist für mich immer die kuratierte und moderierte Musiksendung gewesen.

Damals hast Du in der belgischen Privatradioszene gearbeitet. Inwiefern unterscheidet sich die belgische Radiowelt von der deutschen?

Ich wohnte (und wohne wieder) sehr grenznah an Belgien und den Niederlanden, daher war das nichts Ungewöhnliches. Eigentlich gibt es kaum einen Unterschied, man kämpft dort mit den gleichen Problemen als private Radiostation wie anderswo auch (und hat sie doch vielleicht mal energiegeladen als Alternative gegründet). Aber Belgien ist ja an sich durch seine Sprachgemeinschaften schon recht speziell. Die Privatradioszene in der deutschsprachigen Gemeinschaft Ostbelgiens explodierte förmlich in den 80ern und 90ern, da man dort als Verein einfach mal eine Radiostation gründen konnte. Viele Deutsche ergriffen die Gelegenheit, mussten aber aufpassen, dass die Inhalte auf Belgien und die Lokalität ausgerichtet waren. Die ganz große Welle der Privaten ist vorbei, aber die öffentlich-rechtliche Radiolandschaft in Belgien ist eine recht gesunde, denn was im wallonischen und flämischen Sprachraum vor allem musikalisch geboten wird, klingt für unsere Ohren recht gewagt. Man hört dort auch im Alltag auch außerhalb des Autos noch viel Radio.

Wie definierst Du ganz persönlich in Zeiten von Algorithmen und automatisierten Playlisten Deine Rolle als Moderatorin ?

Ich glaube, dass meine Antworten bisher schon ziemlich deutlich machten, dass ich auf Algorithmen und automatisierte Playlisten mit Pocken reagiere. Werden die Algorithmen besser? Mag sein, ich bin aber immer noch recht beleidigt aufgrund der außerirdischen Vorschläge bei den üblichen Musikverkaufsplattformen. Automatisierte Playlisten im Radio gehen für mich gar nicht: Wie sagt man so schön? Was man nicht kennt, isst man nicht. Dem Hörer/der Hörerin muss was angeboten werden und nicht stets der gleiche Einheitsbrei. Moderieren heißt für mich, meine Lieblingsmusik zu teilen und etwas darüber zu erzählen und Verknüpfungen herzustellen. Nur so kann es überleben (in der Machart, meine ich – ohne mich kann es schon überleben). Solche Radiosendungen haben mich früher auch infiziert.

Was bedeutet ByteFM für Dich?

ByteFM ist für mich sowohl als Hörerin als auch als Moderatorin der Inbegriff des Musikradios. Moderierte Sendungen, in denen man das leidenschaftliche Verhältnis zur Musik hören kann und viel Neues kennenlernen und erfahren darf.

In Kaleidoskop „reisen wir oftmals an reale Orte oder auch fiktive und schräge“. Was ist Dein Lieblingsreiseziel? Egal, ob real oder fiktiv.

Die Welt ist schaurig genug, fiktiv reise ich lieber an schöne Orte, wobei „schön“ ja individuell ist und „schrecklich“ durchaus kathartisch wirken kann in einem Traum. In der Realität würde ich zwar gerne alles auf der Welt sehen, aber einige Klimate bringen mich doch an meine körperlichen Grenzen. Wo ich herkomme, sagt man „Ich hab nicht gern warm“, also es darf mir nicht zu warm werden. Das schränkt die Sache sehr ein, aber Berge und Meer zusammen, nette Menschen und einfach die Seele baumeln lassen, das ist schon mal prima und das finde ich meistens in Irland und Teilen von UK. (Da gibt‘s auch reichlich Musik, ebenso wichtig.)

Das schönste Kompliment einer Hörerin oder eines Hörers war?

Wie alle anderen auch freue ich mich immer sehr über Feedback, das spornt an. Mich berührt es, wenn HörerInnen wirklich die ganze Sendung hören, womöglich sogar ein zweites Mal. Früher habe ich selbst so Radio gehört.

Hast Du eine Lieblingssendung bei ByteFM bzw. eine Empfehlung?

Bei ByteFM kann ich durchweg alles hören, auch Genres, über die ich gar nichts weiß oder die ich sonst nur mit der Kneifzange anpacken würde, weil alle Moderatoren und Moderatorinnen voller Leidenschaft ihre Musik präsentieren. Vom Musikgeschmack her sind es zum Beispiel Bordermusic mit Till Kober, der wie ich US-amerikanischer Musik und der Gitarre verfallen ist und das Ganze auch noch sehr unterhaltsam moderiert. Selbstverständlich Golden Glades mit Sandra Zettpunkt, weil wir uns auch persönlich blind verstehen. Das muss nicht auf die Musik hinauslaufen, tut es aber, und Sandra hat ein unglaubliches Gespür für Neuentdeckungen. Ihre Sendung ist so anregend und zugleich entspannend wie ein großer Becher vernünftigen schwarzen Tees (und da kenne ich mich aus). Ach, ist das schwierig, nur ein paar auszuwählen. Hello Mellow Fellow mit Matthias Westerweller sage ich einmal im Monat als meine Nachfolgesendung an; sie befindet sich auch musikalisch und emotional in meinem Beuteschema.

Was wünschst Du Dir für die Zukunft, für Dich und ByteFM?

Long may we last! Ach was, forever. Und dazu gehören natürlich viele begeisterte HörerInnen und ein engagiertes Team. Danke an Euch!

Kaleidoskop mit Alice Peters-Burns hört Ihr jede Woche montags um 17 Uhr bei ByteFM.

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Diskussionen

6 Kommentare
  1. posted by
    Jakob
    Feb 12, 2019 Reply

    Liebe Alice, ein Sonntag ohne deine Sendung am Morgen ist ein Tag wie jeder andere. Du schickst uns Sonne!

  2. posted by
    Alice
    Feb 13, 2019 Reply

    Wie schön ist das denn? Ganz lieben Dank, Jakob! Auch dafür, meine Sendung so FRÜH zu hören – da bin ich noch gar nicht wach:-)

  3. posted by
    Jakob
    Feb 13, 2019 Reply

    Tja, die Kinder … Neun Uhr ist das Hörspiel im Radio vorbei – dann muss das Frühstück auf dem Tisch stehen. Und wie schön das ist – darüber freue ich mich jede Woche neu!

  4. posted by
    Alice
    Feb 14, 2019 Reply

    Ha, die Zeiten habe ich auch noch gut in Erinnerung:-) Und auch, was wir dann im Radio gehört haben. Dass Kaleidoskop jetzt bei Euch diesen Ehrenplatz einnimmt, da schwappen meine Augen über…

  5. posted by
    Thomas Petschler
    Feb 14, 2019 Reply

    Die 10 Fragen an Alice Peters-Burns, ihre Antworten und das sehr schöne Bild zum Text, haben mich neugierig gemacht: Kaleidoskop. Da habe ich doch gleich mal im Archiv gestöbert und die beiden letzten Sendungen gehört mit dem Ergebnis: ich bin begeistert. Sehr schöne Songauswahl. Ich muss an längst vergessene Zeiten denken um kurz darauf zu merken, dass Alice auch brandaktuelles spielt. Und dann diese bezaubernde und charmante Stimme. Ich freue mich auf das Archiv und die kommenden Sendungen.
    Vielen Dank und liebe Grüße, Thomas Petschler.

  6. posted by
    Alice
    Feb 15, 2019 Reply

    Lieber Thomas, Kengers, jetzt färbt sich meine vornehme Blässe aber richtig rot und mir bleibt die „charmante“ Stimme fast weg:-) Ich freue mich sehr, dass Dir die Mischung aus alten Zeiten und den doch auch guten neuen Zeiten (noch ist die Musikwelt nicht verloren!) gefällt und hoffe, dass Dir das Kaleidoskop auch weiterhin gefällt. Liebe Grüße, Alice

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