Jessica Pratt – „Quiet Signs“ (Rezension)

Cover von „Quiet Signs

Jessica Pratt – „Quiet Signs“ (City Slang)

7,8

Dass sich ihr älterer Bruder nicht lange an seiner Stratocaster erfreute, war eine glückliche Fügung für die 1987 geborene Jessica Pratt. Mit der abgelegten Gitarre übte sie als Teenager so lange zum Album „Electric Warrior“ von T-Rex, bis sie es mit- und nachspielen konnte. Schon bald begann sie, eigene Songs zu schreiben und aufzunehmen. 2012 erschien schließlich ihr Debüt „Jessica Pratt“ und drei Jahre später das zweite Album „On Your Own Love Again“.

Während sie ihre ersten beiden Alben zu Hause mit einem Vierspur-Gerät einspielte, erscheint nun mit „Quiet Signs“ Pratts erstes Album, das gänzlich in einem professionellen Studio produziert und aufgenommen wurde. Wenn auch sie schon zuvor mit anderen MusikerInnen arbeitete, wagt sich die junge US-Amerikanerin gewissermaßen hinaus aus ihrer autonomen Abgeschiedenheit.

Weich und kraftvoll

Das Wagnis ist geglückt, denn die Produzenten Al Carlson und Matt McDermott verstanden sich darauf, Pratts Qualitäten nicht zu unterlaufen, sondern mit dem neuen Album in eine besonders reine Form zu gießen. Die Folk-Elemente sind stets spürbar, ohne dass „Quiet Signs“ ein traditionelles Folk-Album wäre. Mit ihrem manchmal säuselnden Gesang bewegt sich Pratt unangestrengt durch die neun Songs, wirkt dabei aber nie zaghaft oder verhalten.

In der „Opening Night“ zu Anfang der Platte greift Pratt noch nicht zur Gitarre, summt bloß zu getragenen, lange klingenden Pianotönen. Der Opener ist ein klarer, sanfter Einstieg in das Album und deutet an, was sich durch die folgenden Songs ziehen wird: ein zarter Groove, der unbekümmert daherkommt und doch immer ein wenig Melancholie erahnen lässt. Ab dem zweiten Track „As The World Turns“ legt sich Pratts Stimme wie selbstverständlich mit sanfter Kraft auf ihre leichtfüßigen Gitarrenarrangements, mitunter unterstützt von Flöte, Orgel und Piano. Auch einen eher wehmütigen Track wie „Crossing“ bewahrt Pratt davor, in Weinerlichkeit abzurutschen, und gewährt auch der Traurigkeit etwas Schwebendes. Schließlich lässt einen der weite, weiche Schlusstrack „Aeroplane“ mit einem tiefen Gefühl der Ruhe und Entspannung zurück.

Veröffentlichung: 8. Februar 2019
Label: City Slang

Das könnte Dich auch interessieren:

  • Der Mann – „Top“ (Rezension)
    Mansplaining klang noch nie so gut wie auf dem zweiten Album der Staatsakt-Supergroup Der Mann. Neben der gewohnt post-ironischen Metatextualität gibt es auf „Top“ auch viele extrem diverse Art-Pop-Höhepunkte....
  • Cover des Albums Process von Sampha
    Als Produzent, zum Beispiel für Kanye West und Beyoncé, hat sich Sampha einen Namen gemacht. Mit „Process“ zeigt der Londoner, dass er eine eigene Stimme und viel Soul hat....
  • Swutscher – „Swutscher“ (Rezension)
    Auf ihrem zweiten Album nehmen Swutscher aus Hamburg die Zügel selbst in die Hand und befreien Genres wie Country- oder Pubrock von ihrer Mackerhaftigkeit, befindet unser Autor Timo Grimm....


Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.