Zehn Fragen an: Norman Müller (Sounds Outta Range)

Foto von Norman Müller

Prince-Fetischist und passionierter Third-Eye-Sunglasses-Träger: Norman Müller (Foto: Yvonne Schmedemann)

Norman Müller ist auf der Suche nach dem Funk. Der 1980 in der niedersächsischen Geest geborene Moderator, DJ und Musiker ist seit seiner Kindheit der tanzbar synkopierten Musik verfallen – und seit seiner Volljährigkeit als Journalist tätig. Norman begleitet ByteFM mit seiner Sendung Sounds Outta Range seit zehn Jahren. Wir haben mit ihm über die Suche nach dem Funk, musikalische Offenbarungsmomente, Nena und – selbstverständlich – Prince gesprochen.

Lieber Norman, Deine Sendung Sounds Outta Range feiert dieser Tage zehnjähriges Jubiläum. Wie bist Du überhaupt zu ByteFM gekommen?

Von ByteFM hatte ich erfahren, weil ein Bekannter von mir, Niclas Breslein, damals beim Aufbau des Senders mitgeholfen hatte. Im Sommer 2008 war ich dann einer der ersten Redaktionspraktikanten. Nach einem ByteFM Container (zum Thema Godley & Creme) wurde mir dann meine eigene Show angeboten.

Seit zehn Jahren sind Sounds Outta Range und Du nun „auf der Suche nach dem Funk“. Eine lebenslange Suche?

Yes. Schon als Kind haben mich synkopierte Rhythmen fasziniert. Die Plattensammlung meines Vaters war allerdings eher Americana-Rock-lastig. Funky Beats musste ich mir also erstmal selber machen: In meinem Elternhaus hat mein Vater sich ein kleines Studio gebaut, in dem auch ein Schlagzeug stand, was ich ausgiebig malträtiert habe. Dann habe ich angefangen, im Radio die Songs mitzuschneiden, die mir gefallen. Sowas ähnliches mache ich heute auch noch, nur schneide ich die Songs im Internet mit – und spiele sie im Radio. Im stillen Kämmerlein mache ich auch immer noch Beats, aber am Computer, wegen der Nachbarn.

Wer über Dich redet, muss zwangsläufig auch über Prince reden. Was war Dein Moment der Offenbarung?

1992 war ich zwölf, da habe ich mit meiner Schulklasse eine Dinosaurier-Ausstellung im Bremer Übersee-Museum besucht. Vor der Rückfahrt durften wir noch eine Stunde in der Innenstadt herumlaufen, und da habe ich mir mein erstes Prince-Album gekauft. Bis dato kannte ich schon ein paar Singles und Videos, aber die Busfahrt nach Hause mit der „Love-Symbol“-Platte im Discman war der life-changing event, denke ich. Die Höhepunkte meiner Fan-Laufbahn waren sicherlich die offiziellen Deutschlandpremieren von Prince-Songs bei Sounds Outta Range und gemeinsam mit jeweils einer Handvoll HörerInnen zu den beiden letzten deutschen Prince-Konzerten in Berlin und Köln eingeladen worden zu sein.

Erinnerst Du Dich an den Moment, der Dich zum Musikfan gemacht hat?

Nein, in meinem Elternhaus hat Musik immer eine große Rolle gespielt, da gibt es keinen Schlüsselmoment, an den ich mich erinnere. Meine allererste Platte war eine Nena-Single, „? (Fragezeichen)“, da war ich drei oder vier. Nena hat mir als Kleinkind äußerst gut gefallen.

In Zeiten von Algorithmen und automatisierten Playlisten: Wie definierst Du ganz persönlich Deine Rolle als Moderator?

Ich habe wohl schon immer einen gewissen missionarischen Eifer in mir gehabt, was Musik angeht. Die Radiosendung hilft mir, den zu kanalisieren. So muss ich nicht permanent mein privates Umfeld mit meinem seltsamen Musikgeschmack nerven. Ich höre auch gerne anderen Leuten beim Missionieren und Kritisieren zu. Ich habe aber die Sorge, dass zur Zeit eine ganze Generation nachwächst, bei der das Musikradio kaum noch Relevanz hat, weil ihre Musik dort – teils aus nachvollziehbaren Gründen – nicht stattfindet: Deutschrap. Die nutzen Spotify und YouTube.

Wenn Du nicht bei ByteFM oder anderen Radios moderierst, bist Du unter dem Decknamen Digital Norman als DJ tätig. Was macht Dir mehr Spaß: die Radio-Sendung mit stiller HörerInnenschaft oder DJ-Sets mit ekstatischem Publikum?

Stille HörerInnen gibt’s auch bei den DJ-Sets, und ob bei Sounds Outta Range nicht auch mal wer in Extase gerät, ist auch unklar. Beim Auflegen gibt’s natürlich meistens einen höheren Partyfaktor. Ich bin aber auch sehr gerne mit mir und der Musik alleine in einem Raum, ohne direktes Feedback und Beeinflussung von außen. Yin und Yang.

Hast Du eine Lieblingsausgabe von Sounds Outta Range bzw. eine Sendung, die Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich habe den wohligen Verdacht, dass die Playliste der Sendung mit der ersten Prince-Radiopremiere eine Konzert-Setliste von Prince beeinflusst hat. Ich wollte aber nicht schon wieder mit Prince anfangen, deswegen erwähne ich lieber die monothematischen Sonderausgaben von Sounds Outta Range zu Themen wie beispielsweise 70s-Tropicália-Funk, Funky Prog-Rock, G-Funk, 80s-Boogiefunk aus Japan – die machen immer besonders viel Spaß.

Was bedeutet ByteFM für Dich?

Ich mag das familiäre Feeling da im Feldstraßen-Bunker, das sich über die Jahre auch nicht groß verändert hat. ByteFM wächst sehr langsam und sehr organisch. Das Team ist immer eine Mischung aus alten Hasen und neuen Gesichtern, die oft selber zu alten Byte-Hasen und/oder zu gefragten PopjournalistInnen werden. Einerseits wäre es natürlich schön, wenn plötzlich sehr viel mehr Geld da wäre und der Laden ein paar größere Sprünge machen könnte, andererseits könnte das die bytige Kuscheligkeit in Gefahr bringen.

Hast Du eine Lieblingssendung bei ByteFM bzw. eine Empfehlung?

Ich bin Groovie-Shizzle-Ultra, Sebastian Reier ist ein unfassbar ausgefuchster Vinylarchäologe und dazu auch noch ein durch und durch angenehmer Typ. Außerdem BTTB – Back To The Basics mit Marcus Maack, eine Sendung, die mich lange vor Beginn der ByteFM-Zeit schon mitgeprägt hat.

Was wünschst Du Dir für die Zukunft, für Dich und ByteFM?

Mir selber wünsche ich Gesundheit, für ByteFM wünsche ich mir eine Deutschrap-Sendung.

Die Sendung Sounds Outta Range hört Ihr alle zwei Wochen, mittwochs um 21 Uhr.

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Diskussionen

2 Kommentare
  1. posted by
    philipp buschhaus
    Nov 28, 2018 Reply

    Mr. Norman Müller,
    hammer Sendung!! Eine Zeitreise auch in meine Jugend…;-)

  2. posted by
    Norman
    Nov 30, 2018 Reply

    Danke Philipp, freut mich sehr! 🙂

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