Was ist Musik Die geschminkte Stimme
Ausgabe vom 20.12.2009: Die geschminkte Stimme
Die geschminkte Stimme – Fluch und Segen von Autotune
Am 3.Oktober schließt sich der Kreis bei „Wetten Dass“. Tokio Hotel präsentieren dem Samstagabendpublikum ihre neue Single „Automatisch“. Darin verwenden sie einen Effekt, der die Stimme von Sänger Bill Kaulitz alienartig verfemdet. Sie klingt, nun ja, automatisch. Elf Jahre vorher hatte an gleicher Stelle die bei „Wetten Dass“ ohnehin gern gesehene Cher den Autotune-Effekt zum ersten Mal im deutschen Fernsehen vorgeführt, „Believe“ beschert ihr ein spätes Comeback und neue Fans. Dass nun ausgerechnet Tokio Hotel ausgerechnet bei Gottschalk zu diesem allgegenwärtigen Effekt-Trick greifen, das ist Wasser auf die Mühlen der Autotune-Hasser. Und davon gibt es eine Menge.
2009 ist das Jahr, in dem Autotune die Massen erreicht und damit auch das Jahr des großen Backlash. In seinem vielbeachteten Blog behauptet Jace Clayton alias DJ Rupture, dass Autotune bei 90 % der aktuellen Popmusik zum Einsatz kommt, dass also „dass wichtigste musikalische Gerät der letzten zehn Jahre kein Instrument ist und kein physisches Objekt, sondern eine Software.“ Was ja zum Verschwinden des physischen Tonträgers passt.
Wie so oft in der Pop- und der Kriegs-Geschichte wird die neue Technologie erst zum großen Erfolg, als sie gegen die Gebrauchsanweisung eingesetzt wird. Eigentlich dient Autotune zur Perfektionierung von Stimmen, zur künstlichen Beschönigung unschöner Gesangsdarbietungen. Bis irgendwann irgendwer den Reiz der Übertreibung entdeckt: das metallisch roboterhafte Flirren, Sirren, Summen auf der Stimme bekommt einen eigenen Reiz, das Unsichtbare und Ungreifbare bekommt haptische Qualitäten. Eine besondere Qualität von Autotune: die Stimme wird übergeschlechtlich. Und farbenblind. Mit Autotune können sogenannte natürliche Eigenschaften der Stimme außer Kraft gesetzt werden, und damit die tradierte Zuordnungslogik einer fein säuberlich nach Rasse und Geschlecht separierten und segregierten Popwelt. Autotune hebt die Stimme auf eine neue Ebene, man nicht mehr, wo einem der Kehlkopf steht. Singt da ein schwarzer Mann, eine weiße Frau oder doch der Schoßhund von Elton John?
Eine kleine Geschichte der geschminkten, getunten, kostumisierten und gequeerten Stimmen.
(Eine ausführliche Version dieses Textes in der neuen Ausgabe von SPEX)
Am 3.Oktober schließt sich der Kreis bei „Wetten Dass“. Tokio Hotel präsentieren dem Samstagabendpublikum ihre neue Single „Automatisch“. Darin verwenden sie einen Effekt, der die Stimme von Sänger Bill Kaulitz alienartig verfemdet. Sie klingt, nun ja, automatisch. Elf Jahre vorher hatte an gleicher Stelle die bei „Wetten Dass“ ohnehin gern gesehene Cher den Autotune-Effekt zum ersten Mal im deutschen Fernsehen vorgeführt, „Believe“ beschert ihr ein spätes Comeback und neue Fans. Dass nun ausgerechnet Tokio Hotel ausgerechnet bei Gottschalk zu diesem allgegenwärtigen Effekt-Trick greifen, das ist Wasser auf die Mühlen der Autotune-Hasser. Und davon gibt es eine Menge.
2009 ist das Jahr, in dem Autotune die Massen erreicht und damit auch das Jahr des großen Backlash. In seinem vielbeachteten Blog behauptet Jace Clayton alias DJ Rupture, dass Autotune bei 90 % der aktuellen Popmusik zum Einsatz kommt, dass also „dass wichtigste musikalische Gerät der letzten zehn Jahre kein Instrument ist und kein physisches Objekt, sondern eine Software.“ Was ja zum Verschwinden des physischen Tonträgers passt.
Wie so oft in der Pop- und der Kriegs-Geschichte wird die neue Technologie erst zum großen Erfolg, als sie gegen die Gebrauchsanweisung eingesetzt wird. Eigentlich dient Autotune zur Perfektionierung von Stimmen, zur künstlichen Beschönigung unschöner Gesangsdarbietungen. Bis irgendwann irgendwer den Reiz der Übertreibung entdeckt: das metallisch roboterhafte Flirren, Sirren, Summen auf der Stimme bekommt einen eigenen Reiz, das Unsichtbare und Ungreifbare bekommt haptische Qualitäten. Eine besondere Qualität von Autotune: die Stimme wird übergeschlechtlich. Und farbenblind. Mit Autotune können sogenannte natürliche Eigenschaften der Stimme außer Kraft gesetzt werden, und damit die tradierte Zuordnungslogik einer fein säuberlich nach Rasse und Geschlecht separierten und segregierten Popwelt. Autotune hebt die Stimme auf eine neue Ebene, man nicht mehr, wo einem der Kehlkopf steht. Singt da ein schwarzer Mann, eine weiße Frau oder doch der Schoßhund von Elton John?
Eine kleine Geschichte der geschminkten, getunten, kostumisierten und gequeerten Stimmen.
(Eine ausführliche Version dieses Textes in der neuen Ausgabe von SPEX)
Weitere Ausgaben von Was ist Musik
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R.Kelly & T.I. & T.Pain / I’m A Flirt I’m A Flirt |
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Zapp / A Touch Of Jazz (Playin Kinda Ruff Pt.2) Zapp II / Warner |
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| 3. |
Burial / Fostercare 5 Years Of Hyperdub / Hyperdub |
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| 4. |
Kanye / Heartless 808s & Heartbreak / Universal |
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| 5. |
Kanye / Love Lockdown 808s & Heartbreak / Universal |
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Lil Wayne / Lollipop (Ft. Kanye West Lollipop / Universal |
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Jay Z / D.O.A. Death Of Autotune / Warner |
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KRS One & Buckshot / Robot Robot / Duck Down Download |
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Zapp / Dancefloor Zapp II / Warner |
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| Stunde 2: | ||
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Mary J.Blige / I Am Stronge With Each Tear / Universal |
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Jahdan Blackamore / Dem A Idiot (ft. 77 Klash) She Said / Gold Dust |
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Jahdan Blakkamore / Long Road DJ/Rupture & Matt Shadetek: Solar Life Raft / Agriculture |
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| 9. |
Matty G. / Laying In Bed, DJ Rupture ft. Elizabeth Alexander DJ/Rupture & Matt Shadetek: Solar Life Raft / Agriculture |
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| 10. |
T.Pain / I’m In Luv With A Stripper Rappa Ternt Sanga / Jive |
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| 11. |
T.Pain / Studio Luv Rappa Ternt Sanga / Jive |
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| 12. |
Busy Signal / Trading Places Nylon # 01 / Greensleeves |
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| 13. |
Pompidoo / Synthesizer Voice Reggae Dancehall II / Sleeping Bag |
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| 14. |
Bits & Pieces / Don’t stop the music Don’t stop the music / Virgin |
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| 1. |
Lipps Inc / Funkytown Funkytown / Casablanca |
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Micronawts / I Can Do It You Can Do It) Letzmurph Across Da Surf) I Can Do It You Can Do It) Letzmurph Across Da Surf) / Tuff City |
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| 3. |
Laurie Anderson / O Superman O Superman / Warner |
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| 4. |
Peter Frampton / Show Me The Way Show Me The Way / A&M |
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| 5. |
Neil Young / Computer Age Trans / Geffen |
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| 6. |
2000 F & J Kamata / You Don’t Know What Love Is 5 Years Of Hyperdub / Hyperdub |
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| 7. |
Chromeo / I Can’t Tell You Why DJ Kicks / K7 |
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| 8. |
Guido / My Beautiful Complication My Beautiful Complication / K7 |
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| 9. |
Dam Funk / (My Funk Goes) On And On Toeachizown / Stones Throw |
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Trus Me / Bail Me Out In The Red / Fat City |
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Was Not Was / Wheel Me Out Disco Not Disco / Strut |
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