ClickClickDecker – „Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten“

Clickclickdecker - „Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten“ (Album der Woche)

ClickClickDecker – „Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten“ (Audiolith)

Eine deutschsprachige Indie-Folk-Platte mit einem Feuerwerk aus Fuzz-Bass, Zirkus-Orgeln und Feedback-Noise zu eröffnen, das braucht Mut. Dann die Wall-of-Sound mit einer strahlenden Talk-Talk-Gitarre zu vollenden, auch. Der harte Schnitt im Anschluss auch, wenn die Rauchschwaden sich verziehen und nur noch Akustikgitarre und Gesang übrig bleiben. Und dann setzen ClickClickDecker noch diesen Refrain oben drauf: „Ich weiß einen Scheiß über dich / Das ist nicht unwesentlich.“

Die Platte, die von diesem Song eröffnet wird, heißt „Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten.“ Die Band dahinter ist ClickClickDecker. Gegründet von Kevin Hamann, ergänzt durch Oliver Stangl und Sebastian Cleemann, waren und sind sowohl abenteuerlustiger als auch feinsinniger als der Großteil ihrer Indie-Folk-KollegInnen. Liest man neben dem Bandnamen die Bezeichnung „Singer-Songwriter“, dann wirkt das direkt wie eine Untertreibung, wenn nicht gar eine Beleidigung.

Furchtlos und einfühlsam

Denn auf „Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten“ gibt es Momente, die einem in ihrer Schönheit den Atem rauben können: „Palmaille“ zum Beispiel, ein Song, der auf dem Papier von Element Of Crime stammen könnte, in ClickClickDeckers Händen aber zu einem wunderlichen Stück Kunst-Pop wird, mit klimpernden Kalimbas und zart gezupften Gitarren. Oder „Fast nie eigentlich immer“, dass mit aus dem Nichts explodierenden E-Gitarren überrascht – und das Album genauso beendet wie es angefangen hat, mit wunderschönem Lärm.

Und dann gibt es noch Hamanns Texte. Seine lakonischen Anekdoten und Alltagsbeobachtungen werden immer wieder von entwaffnend ehrlichen Einblicken unterbrochen. Ein meisterhaftes Beispiel ist „Schreckmensch“. Hier bricht Hamann in nur eineinhalb Minuten eine depressive Episode auf zwei erschütternde Sätze herunter: „Was ich von mir sagen will und was ich von mir halte / Ich bin der schrecklichste Mensch der Welt.“

ClickClickDecker haben keine Angst vor unbequemen Selbstreflexionen oder vor großen Sound-Experimenten. Diese Band ist furchtlos und einfühlsam. Und einer der größten Schätze der Pop-Musik dieses Landes.

Veröffentlichung: 16. November 2018
Label: Audiolith

Das könnte Dich auch interessieren:

Olden Yolk – „Living Theatre“ (Album der Woche) Happy-Hippie-Blumenkranzflechten & Halbschatten-Folk: „Living Theatre“, das zweite Album der Psych-Folk-Band Olden Yolk ist unser Album der Woche.
Reeperbahn Festival Container: neu bei ByteFM Im Reeperbahn Festival Container berichten wir ab sofort wöchentlich über das Hamburger Musikfestival und gewähren mit Reportagen und Interviews einen Blick hinter die Kulissen. Die erste Ausgabe hört Ihr am 1. Mai um 12 Uhr.
Aldous Harding – „Designer“ (Album der Woche) Auf „Designer“, dem genauso grazilen wie geheimnisvollen dritten Langspieler der neuseeländischen Folk-Künstlerin Aldous Harding, ist nichts wie es scheint. Unser ByteFM Album der Woche.