Fontaines D.C. – „A Hero’s Death“ (Album der Woche)

Bild des Albumcovers „A Hero's Death“ von Fontaines D.C., das ByteFM Album der Woche ist.

Fontaines D.C. – „A Hero’s Death“ (Partisan Records)

„Is it too real for yaaa“, fragte Grian Chatten uns im vergangenen Jahr. Sein Tonfall war herausfordernd und sarkastisch, das letzte Wort genussvoll dehnend. Doch an der Frage war etwas dran: Seine Band, Fontaines D.C., wirkte auf ihrem im April 2019 erschienenen Debüt „Dogrel“ tatsächlich sehr „real“. Die Instrumente polterten knochentrocken, ganz unüblich für den gerne in Unmengen Hall ertränkten Post-Punk, der die Songs der fünf Iren beeinflusste. Chattens Stimme erklang ganz vorne, unverschleiert. Als würde er einem seine Melodien direkt in den Gehörgang singen, aus fünf Zentimetern Entfernung.

Nun, nur ein bisschen mehr als ein Jahr später, sind Fontaines D.C. wieder da. „A Hero‘s Death“, ihr zweites Album, entstand zum Großteil auf Tour. Kurz nachdem die Band auf der Bühne ihre dringlichen Debütsongs performte, zogen sie sich in den Bus zurück, um den Nachfolger zu schreiben. Sie wirken gleichzeitig wie eine logische Fortsetzung und eine 180-Grad-Wendung.

Eine Band beginnt zu atmen

Genau wie auf „Dogrel“ beherrscht Chatten noch immer die hohe Kunst der Punchline. „You shoulda heard me in the lounger / Telling people what they was / Spitting out all types of sugar / Just dying for a cause“, spuckt er einem zu Beginn des Albums im Song „I Don’t Belong“ entgegen. Er schleudert sowohl meisterhafte Takedowns („Swipe your thoughts from Broadway / Turn ideals to cabaret“ in „Televised Minds“) als auch melancholische Beobachtungen („The noise of the town / The salt in the air / It plays all around but I no longer care“ in „Such A Spring“) um sich. Seine Feder ist spitz, seine Augen scharf.

Auch die fast schon unverschämt eingängigen Melodien sind wieder da, doch ihr Gewand hat sich geändert. Fontaines D.C. haben die dringliche „Realness“ ihres Debüt verloren – und dafür etwas ganz Neues gefunden: Atmosphäre. Chattens Stimme tritt in den Hintergrund und lässt Platz für lange Hallfahnen und ausgewaschene Gitarrenwände. Die Rhythmusgruppe kann zwar immer noch ballern wie im chaotischen „A Lucid Dream“, tritt aber öfter auf die Bremse. Stellenweise klingt „A Hero‘s Death“ wie ein echtes Dream-Pop-Album – und das steht der Band überaus gut. Plötzlich beginnt sie zu atmen.

Veröffentlichung: 31. Juli 2020
Label: Partisan Records

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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