Lewsberg – „In This House“ (Album der Woche)

Bild des Albumcovers „In This House“ von Lewsberg

Lewsberg – „In This House“ (Lewsberg Records)

Lewsberg aus Rotterdam sind wahrlich nicht die einzige Band, die sich derzeit auf Pre- oder Post-Punk bezieht. Aber man täte ihnen unrecht, sie mit den unzähligen anderen Veröffentlichungen des Genres ungehört liegen zu lassen. Denn das Feld ist ein weites, und das „Post-Punk-Revival“ beschränkt sich meist auf Recycling der immer gleichen Talking-Heads- oder Blondie-Versatzstücke. Das spricht keinesfalls gegen die Qualitäten der beiden Bands, eher gegen die der einfallsarmen Epigonen. Lewsberg interpretieren den gleichen Bezugsrahmen großzügiger. Kein hektisch-nervöser Beat mit verzerrten Gitarren, kein aufgesetztes Görentum. Vielmehr eine gelassene Neuinterpretation des Erbes von Velvet Underground und Television.

Schlängelnde, repetitive Gitarrenlinien, gleichgültig dissonante Soli. Waiting for the man under a marquee moon. Sänger Arie van Vliet nölt sich lakonisch wie Lou Reed durchs Geschehen. Oder wie ein außergewöhnlich schlecht gelaunter Jonathan Richman, dessen frühe Alben mit den Modern Lovers einen ähnlichen Weg der Velvet-Underground-Verarbeitung gegangen sind, wie ihn jetzt Lewsberg gehen.

Saloppe Zerfaserung

Über dem gesamten Album liegt ein bekiffter Fatalismus. Natürlich ist Fatalismus letztlich immer konterrevolutionär, aber auch verständlich. Und besser als Verzweiflung. Die unendliche Müdigkeit an den Umständen etwas zu ändern, spiegelt sich in der Saloppheit des Spiels und der Arrangements. Präzision? Egal, das reicht so schon, wen interessiert’s? Und dann schwingt man sich in „Through The Garden“ über dem stoisch-treibenden Beat doch noch zu sowas wie Engagement auf, um dann, im folgenden „Interlude“ wieder in den Nebel der gedimmten Wahrnehmung zurückzufallen.

Dass „In This House“ nie langweilig wird liegt auch daran, dass es weniger ein Album ist, als eine Sammlung von sehr unterschiedlichen Songs, die lose durch den Sound und den, sagen wir mal „Spirit“, zusammengehalten werden. Lewsberg erheben das Zerfasern gekonnt zum Konzept.

Veröffentlichung: 27. März 2020
Label: Lewsberg Records

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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