Khana Bierbood – „Strangers From The Far East“ (Album der Woche)

Cover des Albums „Strangers From The Far East“ von Khana Bierbood

Khana Bierbood – „Strangers From The Far East“ (Guruguru Brain)

Übersetzt man Khana Bierbood aus dem Thailändischen ins Deutsche, dann ergibt das ungefähr „seltsames Gebräu“. Hört man „Strangers From The Far East“, das Debütalbum dieser Band, dann ergibt ihr Name durchaus Sinn. Das Quintett aus dem im Osten Thailands gelegenen Bangsea Beach beginnt das Album mit den gewohnten Elementen einer scheppernden Lo-Fi-Garage-Platte: Der aus unzähligen Phil-Spector-Aufnahmen bekannte „Be-My-Baby“-Beat, ein trockener Bass und eine dichte Wall-of-Sound aus Surf-Rock-Gitarren und Orgelklängen. So weit, so gut. Doch irgendwas kommt einem hier mit den von westlicher Musik geprägten Ohren seltsam vor: Obwohl die Instrumente stark nach Rock-Musik klingen, ziehen ihre Melodien ungewohnte Kreise, frei von den Blues-Klischees, die den Garage-Rock bis heute definieren.

Die ungewohnte Zutat dieses Gebräus heißt Mor Lam: Eine in Laos entstandene und im 18. und 19. Jahrhundert nach Thailand übergeschwappte Musikrichtung. Mor Lam zeichnet sich durch repetitive Rhythmen, Sprechgesang und den schnellen, von westlichen Harmonien losgelösten Melodien aus der Khaen, einer Mundorgel aus Bambus, aus. Seit einigen Jahren elektrifizieren Gruppen wie The Paradise Bangkok Molam International Band oder Khruangbin den Groove dieser Musik. So auch Khana Bierbood: Die Khaen wird durch E-Gitarren und Keyboards ausgetauscht, der hypnotische Vibe mit westlichem Instrumentarium gespielt und mit psychedelischen Sounds verklärt.

Komplexer Cocktail

Eine Kombination, die einen unheimlichen Sog entfaltet. „Plankton Bloom“ beginnt mit dem rumpelnden Gitarrengewitter eines Ty-Segall-Songs, entpuppt sich dank Haken schlagenden Melodien aber als ein ganz eigenes Monster. „Bad Trip“ hält was sein Titel verspricht: ein Kopf verdrehendes Stück Acid-Rock, in dem Khana Bierbood mit zwei sich gleichzeitig in die Höhe schraubenden Gitarren-Soli die Klangkaskaden der Khaen imitieren.

In „Dusty Lane“ mischt die Band noch eine erdende Portion 60s-Bubblegum dazu. Der Titel dieses Albums mag „Strangers From The Far East“ sein – doch so fremd kommt einem diese Musik dann doch nicht vor. Denn Khana Bierbood mischen das Bekannte und das Unbekannte mit Meisterhand. Dieses Album ist kein seltsames Gebräu, sondern ein komplexer Cocktail – der mit der Zeit immer wieder neue Geschmäcker offenbart.

Veröffentlichung: 10. Januar 2019
Label: Guruguru Brain

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