Kindness – „Something Like A War“ (Album der Woche)

Cover des Albums „Something Like A War“ von Kindness

Kindness – „Something Like A War“ (Female Energy)

„There will be people who will say ‚You don‘t mix this with that‘. And you will say: ‚Watch me!‘“. Mit diesen Worten beginnt das neue Album von Adam Bainbridge alias Kindness. Wenige Sekunden später ballert eine überlebensgroße House-Bassdrum aus den Boxen, während ein Gospelchor himmlische Harmonien ausbreitet und ein Jazz-Piano und Bläser durch die Zwischenräume hüpfen. Zu all dem erklingt die groovigste Triangel der Welt. Wenn jemand behaupten sollte, dass all das nicht zusammenpasst, dann ist die Antwort von Kindness ein klares: „Pass mal auf!“

Adam Bainbridge, Kopf des britischen Projekts, vermischt seit 2012 Sachen, die auf dem Papier eigentlich nicht zusammenpassen. R&B, House, Electronica, Barock-Pop, Minimal, Disco, Funk und Big-Beat gingen auf dem Debüt „World, You Need A Change Of Mind“ und dem Nachfolger „Otherness“ Hand in Hand. Musik, die Kopf, Beine und Herz gleichzeitig in Bewegung versetzen kann. Ohne Verknotungsgefahr.

„Don‘t be afraid to go too far“

Auf „Something Like A War“, der nun erscheinenden dritten LP von Kindness, treibt Bainbridge diese Euphorie-Musik auf die Spitze. Die Beats sind lauter. Die Bässe knackiger. Die Bläser funky. Und die Refrains so groß, dass sie die ganze Welt umarmen könnten. Das Album wirkt lose in zwei Akte aufgeteilt, erst eine von R&B und Soul geprägte erste Hälfte, die zweite ist in Electronica und House verwurzelt. „Don‘t be afraid to go too far“, singt die schwedische Gastsängerin Seinabo Sey in „Lost Without“, ein weiteres im Text verstecktes Credo dieses Albums.

Und selbst wenn Kindness etwas zu weit geht, geschieht dies mit beeindruckender Eleganz. Die 13 Songs von „Something Like A War“ sind schillernde, mit Liebe zum Detail konstruierte Pop-Kathedralen, in denen man sich verlieren kann. Das vom US-amerikanischen R&B-Star Jazmine Sullivan gesungene „Hard To Believe“ ist virtuoser Engtanz-R&B, der immer und wieder neue Klangelemente aufeinanderschichtet, bis einem fast schwindelig wird. Auch „Softness As A Weapon“ mutiert stetig, verliert aber nie seinen mühelosen Groove.

Wie bei vielen Kindness-Alben sind es auch auf „Something Like A War“ die GastsängerInnen, die hervorstechen. Der Titeltrack ist blubbernder HipHop, in dem 90er-HipHop-Urgestein Bahamadia ihren oft unterschätzten Flow ausbreiten kann. Das emotionale Highlight lauert in der Mitte des Albums, wenn Bainbridges alte Weggefährtin Robyn für zwei Songs die Führung übernimmt. Ihr Duett „Cry Everything“ beginnt als euphorischer House-Track und endet in einem Meer aus Harmonien. „This time these tears feel like progress“, singen die eng umschlungenen Stimmen, während im Hintergrund ein A-capella-Sample von Todd Rundgren ertönt. Das passt nicht zusammen? Pass mal auf!

Veröffentlichung: 6. September 2019
Label: Female Energy

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

Das könnte Dich auch interessieren:

Unprätentiöse Tempowechsel, Boote und Breitcord: Tennis Großer 70s-Pop, durch die Secondhand-Brille betrachtet: unprätentiöse Tempowechsel und große Melodien in Garagenästhetik bei Tennis' neuer Single.
Zehn Fragen an: Vanessa Wohlrath (Hertzflimmern) Keepin’ it surreal, not sugar-free: In ihrer Sendung Hertzflimmern kredenzt Vanessa Wohlrath seit mehr als acht Jahren Smoothes und Elektronisches. Wir haben mit ihr über Lieblingsgäste, die skandinavische Musikszene und die Lust am Radiomachen gesprochen.
Robyn – „Ever Again“ Ein einfaches Studio, ein bisschen antike Deko und ein Mikrofonständer: Mehr braucht Robyn nicht, um einen in ihrem neuen Musikvideo für vier Minuten in ihren Bann zu ziehen. Unser Track des Tages.


Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.