Preoccupations – „New Material“ (Album der Woche)

Preoccupations - „New Material“ (Album der Woche)

Preoccupations – „New Material“ (Jajaguwar)

Selbsthass und Post-Punk, zwei Wörter, die sehr gut zusammenpassen. Die Depression war schon immer eine Konstante des Genres, von Pionieren wie Joy Division bis zu jungen Vertretern wie Die Nerven oder The Soft Moon. Das wissen auch Preoccupations. Die Band, die vor einigen Jahren noch Viet Cong hieß, hat sich auf ihren ersten beiden Alben bereits ausführlich mit ihren inneren Dämonen auseinandergesetzt.

Doch spätestens der Titel des zweiten Songs ihres dritten Langspielers – „Decompose“, englisch für „verrotten“ – sollte klar machen, dass das kanadische Quartett noch einiges an selbstzerstörerischem Potential in petto hat. Auf „New Material“ reißt es alles um, was ihnen in die Quere kommt.

Trost, Zweifel, Einwilligung

Mit metallischen Drum-Loops und Synthesizern demonstrieren bereits die ersten Sekunden des Openers „Espionage“ die kalte Atmosphäre dieses Albums. Sänger Matt Flegel singt Zeilen wie „We are bound / Shreds of doubt / Sinking all the way down“ mit einem dramatischen Vibrato und klingt dabei wie Klagepriester, der die Apokalypse ankündigt.

Auch der nächste Song bringt nicht mehr Hoffnung mit sich: Die liebliche Gesangsmelodie, mit der „Decompose“ beginnt, ist eine Finte, wenige Sekunden später peitschen synkopische Drums die Musik in Richtung Abgrund. Ein Trick, den Preoccupations auf „New Material“ mehrmals verwenden: Oberflächlich wirkt „Disarray“ wie ein süßes 80er-Jahre-Synth-Pop-Revival, doch unter der Fassade ist alles verrottet. Im Refrain wiederholt Flegel den Songtitel (englisch für Verwirrung) immer und immer wieder, wie in einem manischem Taumel.

Am Ende dieser Tour de Force folgt nach Trost („Solace“) und Zweifel („Doubt“) die Einwilligung („Compliance“). Diese klingt jedoch nicht gerade einvernehmlich, stattdessen wird man zum Abschluss in einem wortlosen Meer aus Synthesizern und Noise ertränkt, das all den Selbsthass von „New Material“ zunichte macht. So fühlt man sich am Ende dieser Platte zwar ausgelaugt, aber auch gereinigt.

Veröffentlichung: 23. März 2018
Label: Jagjaguwar

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