
PVA – „No More Like This“ (It’s All For Fun)
„Embedding me / Embedding you / Push my fingеrs in / Pull the skin off“ – die neue LP von PVA existiert am Übergang zwischen Haut und Haut. Es ist ein Album über das Berühren und berührt werden. Wie schon das Cover demonstriert, das ein Foto eines Körpers zeigt, in dessen Haut der Name imprägniert wurde. Nicht durch Gewalt, sondern durch sanften Druck. „No More Like This“ heißt die Platte. Der Titel klingt wie eine Verweigerung, scheint aber mehr ein Wunsch: eine sinnliche Utopie. Nicht mehr so wie früher, sondern anders. Näher, liebevoller, empathischer. „I don’t see what humans mean / And I look at you and now I see the need“, heißt es in „Enough“.
Die Musik des Süd-Londoner Trios war schon von Anfang an sehr körperlich. Sängerin Ella Harris, Keyboarder Josh Baxter und Drummer Louis Satchell fanden Ende des vergangenen Jahrzehnts in dem mittlerweile legendären Ökosystem um den Club The Windmill zusammen. Während Szene-Kolleg*innen wie Black Midi oder Squid vertrackte Post-Punk-Fusion praktizierten, spielten PVA auf ihrem Debüt „Blush“ (2022) eine stark ballernde Mischung aus Synth-Punk und Acid-House. Schwitzige Tracks für zu kleine Dancefloors, angetrieben von Harris’ gleichzeitig unterkühlten und intensiven, fast schon gesprochenen Vocals.
Sinnliche Utopien und kollabierende Dancefloors
Diese Körper-Musik wird auf „No More Like This“ auf ein noch höheres Niveau gehievt – und zwar nicht durch Steigerung: PVAs Sound ist subtiler geworden. Der knallige Electroclash des Debüts ist einem oberflächlich zurückgenommeneren, aber unter der Oberfläche deutlich bedrohlicherem Trip-Hop-Sound gewichen – wie der Opener „Rain“ demonstriert. Der Refrain von „Boyface“ liest sich aggressiv sexuell („My jaw drops, your claws hit / To the fat of my cheek / You take a bite“), doch die Musik darunter groovt in Portishead’schem Tempo. Der Sub-Bass schleicht in bester Massive-Attack-Manier durch die Zwischenräume, während Harris’ Stimme zwischen kühlem Spoken-Word und einem bislang ungehörten, zarten Vibrato oszilliert.
Baxter geht im Verlauf der zehn Songs ähnlich dynamisch mit seinen Synths um: Mal tänzeln sie warm um den Gesang, mal stechen sie wie Eisregen. Auf „No More Like This“ gibt es viele zarte Momente – aber auch die brachiale, wie den Höhepunkt von „Send“, der fast an den Noise-Dance-Punk von Model/Actriz erinnert. „Have you caught my kiss?“, fragt Harris, während der Dancefloor um sie herum knarzend kollabiert. Körper scheinen dabei für sie nicht nur sinnliche Instrumente, sondern die Wurzel für Kreativität zu sein. „Lay your hands in such a way / Your fingers twisting to create“, singt sie in „Peel“, im besten Refrain des Albums. „I don’t know what to say right now / But that’s okay ‚cause we’re writing it down“. Zwischen Haut und Haut entsteht hier etwas Neues.
Veröffentlichung: 23. Januar 2026
Label: It’s All For Fun
