Rejjie Snow – „Dear Annie“ (Album der Woche)

Rejjie Snow - „Dear Annie“ (Album der Woche)

Rejjie Snow – „Dear Annie“ (BMG/Warner)

Man stelle sich das einmal vor: Man ist 2015 auf Madonnas „Rebel-Heart“-Tour, um sich vom aktuellen, sehr vorhersehbaren Spektakel der Pop-Diva berieseln zu lassen. Man ist sogar pünktlich im ausverkauften Stadion, vielleicht um gemütlich an einer viel zu teuren Weißweinschorle zu nippen. Und dann schlurft plötzlich ein ungewöhnlicher Support-Act auf die Bühne: Ein junger Mann aus Dublin, der wenige Minuten, bevor eine der berühmtesten Künstlerinnen der Welt ihre Show beginnt, ein introspektives, jazziges Nerd-Rap-Set in das Mikrophon murmelt. Allen, die da waren, sei gesagt: Dieser Typ war Rejjie Snow.

Snow weiß bis heute nicht, was ihm diesen Spot beschert hat. Der 24 Jahre junge Produzent und Rapper stammt aus dem Dubliner Bezirk Drumcondra, ein Viertel, in dem er nach eigener Aussage der einzige dunkelhäutige Teenager war. Dieses Außenseitertum merkt man seiner Musik an: Sein Debütalbum „Dear Annie“ ist Genre-verschmelzender, nach innen gekehrter HipHop, bei dem genuschelte Strophen auf astrale Jazz-Beats aus der Brainfeeder-Schule treffen.

Melancholisches Namedropping und dysfunktionale Beziehungen

Im verträumten Opener „Hello“ verzichtet Snow sogar ganz bescheiden komplett auf Worte – stattdessen lässt er thundercat-eske Gesangsharmonien und ein sanftes Trompeten-Solo sprechen. Erst im zweiten Song „Rainbows“ ist sein tiefes Timbre zu hören, mit dem er fast wie ein sanftmütigerer Tyler, The Creator klingt. Hier kontrastiert Snow das groovende G-Funk-Instrumental und die eingängige Hookline mit viel Melancholie, selbst wenn er dabei ein Album seines erfolgreichen Kumpels King Krule namedroppt: „Chickenhead you used to call me / Now I‘m dancing six feet beneath the moon, I‘m lonely.“

Auf „Dear Annie“ demonstriert Snow nicht nur sein beeindruckendes Gespür für Beats (bei denen er Unterstützung von Kendrick Lamars Stammproduzenten Rhaki und dem kanadischen DJ und Produzenten Kaytranada bekam), sondern auch sein Talent als Geschichtenerzähler. Und das abschließende „Greatness“ ist eine von Selbstzweifeln und Altlasten zerfressene Tour de Force, untermalt von einem überraschend düsteren Trap-Instrumental. Weiter entfernt vom Plastik-Pop Madonnas kann man wirklich nicht sein.

Veröffentlichung: 16. Februar 2018
Label: BMG/Warner



Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    demelwaltergerhard@gmail.com
    Feb 15, 2018 Reply

    Hi, da staunt man ihre irre so! !!!!!!
    GEZ.
    Walter Gerhard Demel Künstler Google ARTIST! !!!!!!

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