Robag Wruhme – „Venq Tolep“ (Album der Woche)

Cover des Albums „Venq Tolep“ von Robag Wruhme

Robag Wruhme – „Venq Tolep“ (Pampa Records)

Man kennt ihn vielleicht. Diesen Moment auf der Tanzfläche, wenn kurz vor einem Drop der Beat aussetzt, und nur wabernde Elektronik und sanfte Percussions zurückbleiben – und für ein paar Sekunden die Zeit stillzustehen scheint. Robag Wruhme scheint ihn zu kennen. Hört man „Venq Tolep“, das neue Studioalbum des Produzenten aus Jena, dann scheint es fast so, als wäre er süchtig nach ihm. Schließlich hat er diese Ruhe inmitten des Sturms auf LP-Länge gestreckt.

Was nicht heißt, dass es auf „Venq Tolep“ keine Bauch und Beine bewegenden Beats gäbe. Es ist das erste Studioalbum seit 2011, dass Wruhme, der mit bürgerlichem Namen Gabor Schablitzki heißt, auf DJ Kozes Label Pampa Records veröffentlicht. Dementsprechend gibt es einige feierliche Momente auf dieser LP, von tanzbarem Minimal-House („Ago Lades“) bis zur das Zwerchfell streichelnden Four-To-The-Floor-Bassdrum des Titeltracks.

Ein stiller Triumph

Doch am meisten bewegt Schablitzki das Herz. „Venq Tolep“ ist ein zartes Album geworden, gefüllt mit Momenten, die einem in ihrer puren Schönheit den Atem rauben: Die rückwärts abgespielten Hi-Hats, die in „Westfal“ wie Möwen zwitschern. Die Stimme der Stereofysh-Sängerin Lysann Zander, die mit schwereloser Anmut durch „Advent“ geistert. Die Unterwasser-Pianos, die um den Beat von „Ak-Do5“ blubbern. Die sich nach ihrem ganz eigenen Tempo ausbreitende Ambient-Meditation „Volta Copy“, die klingt, als hätten Boards Of Canada ein Sigur-Rós-Instrumental geremixt.

Ständig wartet man darauf, dass ein Baller-Beat diese fast schon sakrale Ruhe unterbricht. Doch er kommt nicht. Und wenn Schablitzki dann doch einmal in „Bézique Atout“ die Breakbeats auspackt, fühlt sich das mehr wie ein episches Post-Rock-Finale als ein schwitziger Rave an. „Venq Tolep“ ist ein Album, das einen in seinem Wohnzimmer zum Tanzen und in der Disco zum Weinen bringen kann. Kurzum: ein stiller Triumph.

Veröffentlichung: 7. Juni 2019
Label: Pampa Records

Das könnte Dich auch interessieren:

  • Acid Pauli – „Mainacht“ (Rezension)
    Entrückt, humorvoll und sehr detailverliebt: Auf seiner aktuellen EP „Mainacht“ liefert Martin Gretschmann aka Acid Pauli den Soundtrack für Bar-25-Nostalgiker*innen und Sonnenaufgänge am Spreeufer. Nicht nur für laue Mainächte geeignet, befindet unser Autor Dirk Domin. ...
  • Die ByteFM Jahrescharts 2019
    Wir haben gezählt und präsentieren Euch hier die 25 meistgespielten Alben der vergangenen zwölf Monate bei ByteFM. Unsere ByteFM Jahrescharts 2019....
  • Everything Is Recorded – „Friday Forever“ (Rezension)
    „Friday Forever“, das neue HipHop-Electronica-Konzeptalbum des Projekts von XL-Recordings-Chef Richard Russell, ist ein musikalischer Ritt durch eine Freitagnacht, mit allem was dazu gehört. Ein Mindfuck des nächtlichen Sich-Fortspülen-Lassens....


Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.