„Sowas Von Egal – German Synth Wave Underground 1980-1985“ (Album der Woche)

Sowas Von Egal - German Synth Wave Undergound 1980-1985 (Album der Woche)

Sowas Von Egal – German Synth Wave Undergound 1980-1985 (Bureau B)

Sowohl das DJ-Team der Party-Reihe „Damaged Goods“ als auch die BetreiberInnen des Hamburger Labels Bureau B sind ausgewiesene Fans der Musik der 80er-Jahre. Das Ergebnis dieses Faibles ist die etwas irreführend betitelte Kompilation „Sowas Von Egal – German Synth Wave Underground 1980-1985“. Denn egal ist sie keineswegs. Mal davon abgesehen, dass in der kurzlebigen Phase des NDW-Hypes enorm viele erfolgreiche Platten produziert wurden, ihre interessantesten und schönsten Blüten trieb die quietschbunte, deutschsprachige Spielart des New Wave im Untergrund – unter der Flughöhe von „99 Luftballons“ und Konsorten. Und genau da kommt der Sampler mit der Reissue von 14 bizarr-schönen, aber verhinderten Hits ins Spiel.

Zwischen naiver Euphorie und DAF

Dass die Neue Deutsche Welle mehr war als „Ich Will Spaß“ und ähnliche schlagereske Elektropop-Songs, zeigt „Sowas Von Egal“ direkt zum Einstieg. „Sentimental“ von Träneninvasion positioniert sich da mit klirrenden Synthies und blechernem Gesang als sympathischer Antagonist zur hedonistischen NDW-Hymne. Der morbide Lo-Fi-Wave-Song „Sie Bleibt Kalt“ von Hoffnung & Psyche – inklusive Ohrwurm-Leadmelodie – tanzt auf derselben Party. War halt nicht alles so Friede-Freude-Eierkuchen, wie es einem die unzähligen Retro-Mania-Talkshows weismachen wollen.

Gerade die diffuse Kalte-Kriegs-Paranoia der frühen 80er schlägt sich in zynischen, aber dennoch tanzbaren Tracks wie „Die Russen kommen“ von Berlin Express und „US-Invasion“ von Pension Stammheim nieder. Gegen erdrückenden Konformismus richtet sich der manische Song „Bitte Warten Sie“ von Alu und die Abschiedssingle einer Stuttgarter Kult-Disse provoziert mit Brutalismen – höre: „Stuttgart Schwarz“ von New Dimension. Man spürt unweigerlich den Einfluss von DAF, dem Düsseldorfer Duo, das mit seinem stoischen Minimalismus, straighten Drums und hartem, abgehackten Gesang zweifelsohne stilprägend war.

Auch das Thema Nummer 1 kam im Untergrund nicht zu kurz: Randvoll mit naiven Haus-Maus-Reimen, begleitet von euphorischen Gitarren, pluckerndem Bass und affektiertem Gesang sinnieren Schwellkörper über „Liebe, Triebe, Diebe“ und deren Konsequenzen, während man sich beim Schweizer Elektro-Pop-Duo El Deux vorstellen kann, wie Kraftwerk wohl im zeitgenössischen Online-Dating-Modus geklungen hätten.

Gerade jetzt, wo sich die Popkultur wieder vermehrt der Ästhetik der 80er widmet, kommt „Sowas Von Egal“ mit vergriffenen Hits um die Ecke, die sich der Deutungshoheit von 80er-Revival-Parties entziehen und zeigen, wie vielfältig der deutschsprachige musikalische Untergrund war und wie aktuell NDW auch heute noch sein kann.

Veröffentlichung: 2. November 2018
Label: Bureau B

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Andreas
    Jan 5, 2019 Reply

    DAF in den 80iger Jahren in der Offenbacher Stadthalle… Stakkato-Sound, Tape-Decks auf der Bühne, schwitzende Leiber. „Der Räuber und der Prinz“ Live… ach war das geil jung zu sein. Gabi Delgado heizte uns dermaßen ein, das die ganze Halle tanzte.

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