Anti-Held und Allround-Künstler: Zum zehnten Todestag von Kevin Coyne

Kevin Coyne

„Wenn es je weißen Blues gegeben hat, dann von ihm“, schrieb der Musikexpress 1976 über Kevin Coyne. Da stand der Brite gerade am Zenit seines Erfolges, hatte bereits sieben Alben veröffentlicht und abgelehnt, den toten Jim Morisson bei den Doors zu ersetzen. „Ich mag die Lederhosen nicht“, soll der Brite mit dem für ihn typischen Humor gesagt haben.

Coyne stammt aus dem britischen 3000-Seelen-Städtchen Derby. Die Helden seiner Jugend waren Little Richard und Chuck Berry, später dann Muddy Waters und John Lee Hooker. Trotzdem studierte er zunächst vier Jahre an der Kunsthochschule. Grafik und Malerei sollten ihn sein ganzes Leben lang begleiten. Nach dem Studium arbeitete er als Kunsttherapeut in der örtlichen Psychiatrie. Eine Zeit, die ihn sehr prägte und in der er beginnt, Musik aufzunehmen. Meist mit einem Kassettenrekorder.

Der kleine Mann mit der Löwenmähne, den großen Augen und der hohen Stirn wusste, dass er nicht der beste Gitarrist war. Es waren seine unorthodoxen, stark vom Blues beeinflussten Kompositionen, seine einzigartige Stimme und die brisanten Texte über Außenseiter und psychisch Kranke, die ihn auszeichneten.

Bald hatte Coyne mit seiner Band einen Plattenvertrag bei John Peels Label Dandelion in der Tasche. Später war er einer der ersten Künstler, die bei Richard Bransons Virgin Records unter Vertrag standen. Der Durchbruch kam mit „Major Razorblade“ (1973), einer „Mischung aus Blues und Music Hall mit Punk-Attitüde“.

Coyne, der selbst mit Depressionen und Sucht zu kämpfen hatte, strandete nach einem Nervenzusammenbruch in den 80er-Jahren in Nürnberg, wo er bis zu seinem Tod 2004 ein äußerst produktives und cleanes Leben führte. Er hörte nie auf, Songs zu schreiben, zu touren und zu zeichnen. Kevin Coyne starb 2004 überraschend eine Woche vor der Vorstellung seines neuen Albums.

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