„Any Other Way“: neue Kompilation von Soul-Diva Jackie Shane nach 46 Jahren

Jackie Shane (Foto: Numero Group)Das Label Numero Group veröffentlicht die erste Jackie-Shane-Kompilation, die von der Künstlerin persönlich autorisiert wurde. (Foto: Numero Group)

„Näher als hier werden manche von Euch Jesus niemals kommen!“ – Ansagen wie diese machen deutlich, warum die am 15. Mai 1940 in Nashville, Tennessee, geborene Soul-Musikerin Jackie Shane in den 60er-Jahren eine der charismatischsten Sängerinnen war, die schon damals ihre Transsexualität auf der Bühne thematisierte. Mit ihrer kompromisslosen Stimme und ihren ekstatischen, an einen Gospel-Priester erinnernden Zwischenrufen hatte sie das Publikum in ihrer Stamm-Location, der historischen Sapphire Tavern in Toronto, stets fest in ihrer Hand. Im Verlauf der Dekade veröffentlichte Shane mehrere erfolgreiche Singles sowie ein Live-Album. Ihr größter Chart-Hit aus dem Jahr 1962 „Any Other Way“, das Cover eines Soul-Standards von William Bell, musste nur fünf Jahre später aufgrund der hohen Nachfrage nochmals auf den Markt gebracht werden. Doch trotz ihres beachtlichen Erfolges verschwand sie 1971 spurlos aus der Öffentlichkeit. Fast 50 Jahre nach ihrem Rückzug aus dem Musik-Business veröffentlicht das Label Numero Group am 20. Oktober 2017 die erste von der Künstlerin autorisierte Kompilation.

Als Shane in den 60er-Jahren in der Sapphire Tavern ihre gefeierten Konzerte spielte, trat sie noch als Mann in Drag auf – ähnlich wie ihr Soul-Kollege Little Richard. In ihren mit Euphemismen und Andeutungen gespickten Texten versteckte sie jedoch nie ihre Sexualität: In ihrem Hit „Any Other Way“ sang sie klar und deutlich „Tell everyone that I am gay“ – wobei „gay“ in seiner Ursprungsbedeutung für „fröhlich“ stand. Auf ihrem Album „Jackie Shane Live“ von 1967 lassen sich auch ihre Bühnenansagen anhören, in denen sie immer wieder von ihrer Liebe für „Chickens“ redet – ein Slang-Wort für junge, homosexuelle Männer. Ihre Offenheit mit diesem damals noch brisanten Thema machte Shanes Erfolg in den homophoben 60er-Jahren noch beeindruckender. In Kanada wurde Homosexualität noch bis 1969 als ein Verbrechen behandelt.

Dabei mied die Künstlerin Jackie Shane das große Rampenlicht: 1971 wurde sie von Funk-Legende George Clinton gefragt, ob sie Teil seiner Band Funkadelic werden wollte. Eine Position, in der ihre Karriere unsterblich geworden wäre. Jackie Shane lehnte ab und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück.

Ähnlich wie beim plötzlichen Verschwinden des Musikers Sixto Rodriguez – bekannt aus der Dokumentation „Searching For Sugar Man“ – entwickelten sich wilde Gerüchte um Shanes Schicksal: Sie habe in den 90er-Jahren Selbstmord begangen, oder wurde 1998 erstochen. In Wahrheit pflegte sie ihre Tante in Los Angeles und zog sich nach deren Tod in ihre Heimat Nashville zurück. Dort wurde sie 2016 vom Produzenten Douglas McGowan aufgespürt. Denn Shane war in ihrer Abwesenheit zu einer Rarität für Soul-Liebhaber und einer Ikone der LGBTQ-Bewegung geworden.

Am 20. Oktober erscheint „Any Other Way“ auf Numero Group Records. Die Kompilation wird bisher unveröffentlichten Live- und Studio-Aufnahmen sowie noch nie gesehenes Bild-Material enthalten.

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