Jenny Hval – „Blood Bitch“ (Album der Woche)

Cover des Albums Blood Bitch von Jenny HvalJenny Hval – „Blood Bitch“ (Sacred Bones)

Veröffentlichung: 30. September 2016
Web: jennyhval.com
Label: Sacred Bones

Jenny Hval gibt sich nie mit einer Ebene zufrieden. Ihre Arbeiten existieren immer über mehrere Flächen hinweg, das gilt für Text, Musik, Medium und Performance. Auf ihrem letzten Album „Apocalypse, Girl“ dehnte die norwegische Musikerin Inhalte und Form nach Belieben. Kritik an Kapitalismus und Körperpolitiken platzierte sie über rauschende Science-Fiction-Sounds. Sie sang von „shaving in all the right places“ und „capitalist clits“. Manchmal heulte eine Orgel auf, manchmal entspann sich eine mitreißende Melodie.

Mit „Blood Bitch“, ihrer vierten Platte, knüpft Jenny Hval an den Vorgänger an. Bereits die Titel der zehn neuen Songs lesen sich wie die Episoden-Überschriften eines Filmes: „Ritual Awakening“, „The Great Undressing“ und „Period Piece“ hat Hval im Angebot. Und wenn sie selbst nicht klare Worte findet, dann lässt die Musikerin das andere tun. „Blood Bitch“ ist gespickt mit fremden Soundzitaten. So wurden in „Untamed Region“ Worte aus einer politischen Rede genommen und über eine faszinierende Ambientfläche gelegt. Sie lauten: „And it means that we as individuals become ever more powerless, unable to challenge anything because we live in a state of confusion and uncertainty.“

Botschaften hat Jenny Hval einige auf Lager, aber sie sind glatt Nebensache auf „Blood Bitch“. Zu einnehmend schön diese Synthie-Experimente, zu hypnotisierend Hvals helle Stimme, zu spannend die ganzen, kleinen Dinge, die im Hintergrund passieren. Wer den dronebeladenen Einstieg „Ritual Awakening“ hinter sich hat, trifft auf eine zurückgenommene Version von Pop, die mit wenig Eingängigkeit, aber viel subtilem Gefühl aufwartet. In „Female Vampire“ spannen Stimme, Rhythmus und einzelne Töne über viele Echos gedoppelt ein betörendes, klangliches Spiegelkabinett. „The Great Undressing“ bringt mit in die Ferne pluckernden Synths eine süße Melancholie ins Spiel.

Aber wer genau hin hört, findet schnell heraus, dass Süße für Jenny Hval wahrlich keine Priorität hat. Viel mehr sind das Widersprüche – Soundfetzen aus Filmen tauchen plötzlich in scheinbar abgeschlossenen Tracks auf, und in den Texten findet ein Kampf um Identitäten statt. Diese gelebten Gegensätze machen „Blood Bitch“ zu einer leisen Wucht.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Jenny Hval“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Jenny Hval live, präsentiert von ByteFM:

26.10.2016 Berlin – Kantine am Berghain
28.10.2016 Hamburg – Kampnagel

Unser Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Raumfeld.

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