Neue Platten: Douglas Dare – „Whelm“

Douglas Dare - Douglas Dare – „Whelm“ (Erased Tapes)

6,7

Noch ein Klavier. Noch ein wenig Elektronik. Noch eine junge Stimme. Noch ein dramatischer Gesang. Wer möchte, kann aus „Whelm“, dem Debüt des 23-jährigen Briten Douglas Dare, ganz viele Referenzen heraushören: Rufus Wainwright, Patrick Wolf, James Blake, Thom Yorke und vielleicht sogar Tom Odell. Möglicherweise auch Nils Frahm und Ólafur Arnalds, die immerhin beim selben Label veröffentlicht haben. Aber all das trifft es eh nicht ganz. Dare ist nicht so elektronisch wie Blake, nicht so minimalimusinfiziert wie Frahm und nicht so reduziert-verspielt wie Arnalds, nicht ganz so pompös wie Wainwright und nicht halb so dramatisch wie Wolf, nicht so rockig wie Yorke und nicht annähernd so massenkompatibel wie Odell.

Dare ist aber zumindest das: ein junger, talentierter Pianist, der offensichtlich sein ganzes Engagement in sein Debütalbum gelegt hat. Und das ist zugleich der größte, aber auch der einzige Fehler dieser Platte: ihre Überambitioniertheit. Alles ist permanent „in your face“. Selbst wenn Dare seinen Gesang einzig mit dem Klavier begleitet, kommt es einem so vor, als wenn die feinen Nuancen des Tastenspiels seine Sache nicht sind. Gleiches gilt für seine Stimme. Sie ist durchaus in der Lage, die Songs zu tragen, und sie ist facettenreicher als viele andere Männerstimmen (Blake eingeschlossen). Aber leider macht Dare mit ihr manchmal einfach zu viel. Das mag bei einem Konzert der Musik eine angemessene Lebendigkeit verleihen, im Studio wirkt es etwas zu gewollt und zur Schau stellend. Wie der Rest seiner Musik ist sie zu laut und zu aufdringlich. Und lenkt damit von den wirklich tollen Kompositionen ab, von der es auf „Whelm“ so einige gibt.

Denn wenn Dare sich auf das Wesentliche konzentriert, kommen wirklich ganz wunderbare Songs heraus, wie der neben dem instrumentalen Titelstück reduzierteste Song der Platte eindrucksvoll beweist. „Caroline“ besteht aus einer simplen Klaviermelodie, die den Gesang wirklich nur begleitet und nicht mit ihr konkurriert. Wenn nach etwa zwei Dritteln einige elektronische Klänge einfallen, wirken sie fast schon überflüssig. Ähnliches gilt für „Lungful“: Hätte Dare die Piano-Figur von Beginn bis Ende des Songs einfach durchgespielt und sie nicht mit Effekten torpediert und editiert, wäre es eines der schönsten Lieder dieses Sommers geworden.

Douglas Dare kann man nach dem Hören dieser Platte vieles Gute wünschen: den Minimalismus Nils Frahms, die reduzierte Verspieltheit Ólafur Arnalds, die nuancierte Elektronik James Blakes. Alle anderen Referenzen sind sowieso zu viel für diese im Grunde genommen fragile Musik, die leider größer sein möchte (oder zumindest so produziert wurde) als sie eigentlich ist.

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