Buraka, Boots und Culture von Dr. Martens

Von christiantjaben, 24. Mai 2010

Ich gebe zu, dass die meisten „cleveren“ Marketing Aktionen von Modefirmen nerven, die per kulturellem Feigenblatt in Kampagnenform ihrer Marke etwas musikalische Credibility verschaffen wollen. Aber einige Marken haben nun mal tatsächlich die dabei dann gerne beschworene „Heritage“, ein popkulturelles Erbe, das ihnen innewohnt. In diese Gruppe gehört sicher die Firma Dr. Martens, deren manchmal stahlkappenbewehrten Schuhe und Stiefel mit der alles Mögliche abweisenden Sohle spätestens seit Punk zur Grundausstattung jugendkultureller Identitätsphasen zählen. Wer jetzt ganz viel mehr wissen muss über schlaue Schuster, Materialien, Entstehungsgeschichte etc. kann das ja gerne mal in einem Internet seiner Wahl herausfinden. Hier soll uns genügen festzustellen, dass man bei „Doc“ Martens gerade 50. Geburtstag feiert und sich dazu etwas hat einfallen lassen, dass einen Beitrag im ByteFM Magazin lohnt.

Auf einer speziellen Kampagnen-Website veröffentlichen die Briten nämlich seit Ende März eigens in Auftrag gegeben Cover-Versionen, die Auszüge der Geschichte von Schuhen und guter Musik demonstrieren sollen. Bislang durften die Noisettes sich an den Buzzcocks versuchen, Däm-Funk an The Human League und The Duke Spirit an Sham 69. Seit Kurzem steht jetzt mit einer Buraka Som Sistema Version von Neneh Cherrys „Buffalo Stance“ das vierte Video von insgesamt zehn, die bis September peu a peu veröffentlicht werden, im viralen Raum von Aktions-Website, YouTube Kanal und Co. und beweist, dass da jemand guten Geschmack und ein zeitgenössisches Adressbuch hat. Wer böse ist, könnte meinen, dass diese recht opulente Geburtstagsständchen-Versammlung dem Kosten rechtfertigenden Umstand geschuldet ist, dass sich Dr. Martens immer dagegen verwehren muss, als Skinhead-Treter Marke für Dumpfbacken zu gelten, wobei der Markenkult bekanntlich zum Beispiel genauso in homosexuellen Kreisen gut gediehen ist wie bei Punks und Redskins und gegen solides Schuhwerk mir ehrlich proletarischer Konnotation ja ohnehin nichts einzuwenden ist. Wie alt sind denn eigentlich Springerstiefel?


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