Trailer Trash Tracys – „Althaea“ (Rezension)

Cover des Albums Trailer Trash Tracys – „Althaea“ (Domino)

5,0

Althaea ist eine der vielen tragischen Figuren der griechischen Mythologie: Nach der Geburt ihres Sohnes Meleagros wird ihr direkt dessen Tod prophezeit, doch erst nachdem Meleagros ihre Brüder Iphiklos, Plexippos und Euryplos ermordet. Ganz großes Drama also. Nun stellt sich die Frage: Wie passt denn diese Familiensaga um Mord und Totschlag ins Konzept des neuen Trailer-Trash-Tracys-Albums? Denn die britische Band um Sängerin Susanne Astoria macht auf ihrer zweiten Platte „Althaea“ Musik, die von der griechischen Tragödie kaum weiter entfernt sein könnte: tropisch angehauchten, überladenen Dream-Pop.

Das Album beginnt vielversprechend: Wo der instrumentale Opener „Smoked Silver“ noch mit seinen kollabierenden Synthesizern an die Lo-Fi-Vergangenheit der Trailer Trash Tracys erinnert, ist der zweite Song „Eden Machine“ strahlende Popmusik. Der Bass groovt, der Beat fließt, die Synths plätschern angenehme Klangfarben. Für den maximal verwaschenen Gitarren-Sound hat Chef-Arrangeur Jimmy Lee die Bünde aus seinen Instrumenten gekloppt. Astorias Stimme funktioniert dabei wie ein sanftes Narkosemittel: Anfangs klingt sie noch klar und deutlich, je länger man ihr jedoch zuhört desto undeutlicher werden die Wörter, Konsonanten und Vokale verschmelzen mit den breiten Klangflächen. Sie singt da bestimmt über irgendetwas, aber worüber genau ist eigentlich egal.

Das tropische Element erscheint im nächsten Song „Gong Gardens“: Der Perkussionist Bei Bei „Butterfly“ Wang ergänzt die bereits sehr dicht gestrickten Arrangements um Marimba und Xylophon. Hier merkt man: Trailer Trash Tracys haben die elf Songs von „Althaea“ Schicht um Schicht erbaut, eine Idee auf der nächsten. Bei „Gong Gardens“ funktioniert das noch ganz vortrefflich: Astoria singt hier sehnsüchtig und klar über einen aufregenden, poly-rhythmisch verzierten Beat.

Die meisten Songs werden jedoch von zu vielen Ideen erdrückt: Der Karneval im 5/4-Takt von „Money For Moondogs“ zappelt unruhig von einem Bein aufs andere und wirft so lange nahezu wahllose Synthie-Sounds zwischen die Gesangspassagen, bis keine Luft mehr zum Atmen bleibt. „Singdrome“ könnte ein wunderschöner Song sein, wenn nicht die klischeehaften Bongo-Rhythmen bei jedem Einsatz die ätherische Atmosphäre ermorden würden. Und der Abschluss „Aspects Of The Moon“ wirkt mit seinem Mix aus Shoegaze, Gesangsloops aus dem Hause Stereolab, hawaiianischen Pedal-Steel-Gitarren und seinen unzähligen Synthie-Arpeggios einfach nur müde.

Inmitten der ganzen Ideen hat die Band fabelhafte Dream-Pop-Songs versteckt, die leider zu selten durch die dichten Sound-Schichten das Tageslicht erblicken. „Althaea“ kann das vom Titel versprochene große Drama nicht liefern, da viele Songs an ihren eigenen Ambitionen scheitern.

Veröffentlichung: 11. August 2017
Label: Domino

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