Neue Alben in dieser Woche (KW 36) – eine Auswahl

Grinderman – „Grinderman 2“
VÖ: 10.09.2010
Web: myspace
Label: Mute
Kaufen: ”iTunes"

Darf man Schlechtes über Nick Cave schreiben? Den Fürsten der Finsternis, den König der Düsternis, der sich immer wieder selbst erfindet. So auch mit seiner Band Grinderman, die mit langen Zottelbärten dreckigen, wilden Bluesrock lärmt. Darf man diesen von seinen Fans gottgleich verehrten Mann mit der tiefen Stimme kritisieren? Man muss es. Vor allem, wenn man sich selbst zur Fanschaft zählt, wie die Schreiberin dieser Worte. Denn die neue Platte von Grinderman ist zwar ganz nett, der große Wurf ist sie aber nicht. Eigentlich ist sie langweilig im Vergleich zum Vorgängeralbum, auf dem die Tracks noch voneinander unterscheidbar waren, Höhen und Tiefen hatten. Auf Grinderman 2 wird hingegen einfach nur monoton dahingeschrammelt. Auch wenn Nick Cave behauptet: „Das neue Album ist noch böser als das erste (…), insgesamt hat es eine sehr starke und wuchtige Atmosphäre.“

MIT – „Nanonotes“
VÖ: 10.09.2010
Web: myspace
Label: COOP
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In die Zukunft schauen heißt auch, sich der Vergangenheit bewusst zu sein: „Mehr als zuvor haben wir darauf geachtet, moderne Musik zu schreiben“ schildern Tamer, Edi und Felix von MIT ihre Intention auf „Nanonotes“, nicht aber, ohne auf die Anfänge der elektronischen Musik zu verweisen. Und das gelingt ihnen ohne Zweifel. Vielleicht kann man ihnen vorwerfen, dass die Vergangenheit sie ein bisschen zu sehr gefangen genommen hat, so sehr spürt man die Faszination und die Inspiration für die Pioniere elektronischer Musik wie Kraftwerk oder Neu!. Da wundert es nicht zu erfahren, dass MIT einige prominente Unterstützung für ihr zweites Album gewinnen konnten: Emil Schult von Kraftwerk als Berater und Begleiter ist nur ein bekannter Name, Jas Shaw von der Simian Mobile Disco als Produzent ein weiterer.

Robyn – „Body Talk Pt.2“
VÖ: 10.09.2010
Web: myspace
Label: Ministry Of Sound
Kaufen: ”iTunes"

Zum ersten, zum zweiten, zum dritten. Robyn ließ sich auf das Versprechen ein, bis zum Jahresende drei (Mini-)Alben zu veröffentlichen. Sinn und Notwendigkeit bleiben dabei zwar im Dunkeln, aber sie befindet sich noch in einem ganz guten Zeitrahmen. Body Talk Pt. 2 knüpft da an, wo der Vorgänger aufgehört hat. Alles fügt sich zusammen, mit elektronisch eingängigen Melodien sowie ihren verletzlichen und ehrlichen Worten wickelt sie einen doch noch um den Finger. Neben der Single „Hang With Me“, ist unter den acht Tracks auch eine gemeinsame Produktion mit Snoop Dogg zu finden. Ungewöhnlich klassische Klänge auf dieser Hochglanzproduktion finden sich auch: Ein dichtes Klanggerüst aus Streichinstrumenten unterstützt ihre Akustikversion von „Indestructible“. Das Konzept dieses Albums deckt sich mit dem des ersten – wie wohl der Abschluss der Trilogie klingt?

The Thermals – „Personal Life“
VÖ: 10.09.2010
Web: myspace
Label: Kill Rock Stars
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Der Albumtitel lässt schon darauf schließen: Statt um Religion oder Politik geht es auf dem neuesten Album der Band aus Portland um die Liebe. Ein bisschen weniger Geschrammel, ein bisschen mehr Melancholie. Als Fan der ersten Stunde könnte man da sicherlich ein wenig skeptisch werden. Doch auch wenn die Thermals auf „Personal Life“ nicht mehr ganz so energiegeladen klingen wie auf den Vorgängern, die Melodien und Hooks sind unglaublich eingängig. Das waren sie schon immer. Bisher waren sie nur besser versteckt.

Fotos – „Porzellan“
VÖ: 10.09.2010
Web: myspace
Label: Snowhite
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Vielen werden sicherlich sagen, die trauen sich was, diese Fotos. Waren ihre beiden Vorgängeralben doch geschwängert von Kaugummideutschpoprock, so hat sich in den letzten Jahren, durch’s scheinbar endlose Um-die-Welt-touren und der ausbleibenden finanziellen Rückradbildung wohl etwas Unmut angestaut.
Dieses Unwohlsein wurde genauso aufgezeichnet. Die Produktion ist arschkalt, weit weg vom Hörer. Eigentlich nichts besonderes in diesen Zeiten. Aber für eine deutschsprachige Band ein verdammter Drahtseilakt. So hinken die Texte teilweise schon zu nah am Kitsch und die Stimme des Sängers verliert sich streckenweise zu sehr in dem dunklen Meer aus Klängen. Das ist gewöhnungsbedürftig und fordernd. Wie gesagt, gewagt.

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