Album der Woche: Ibeyi – „Ibeyi“

Ibeyi (Foto: Maya_Dagnino)Ibeyi (Foto: Maya_Dagnino)

VÖ: 13. Februar 2015
Web: ibeyi.fr
Label: XL
Kaufen: artistxite-Shop

Zwillinge sind wohl nicht anders als gewöhnliche Geschwister – bis auf einen grundlegenden Aspekt: das Verlangen, sich besonders stark voneinander abzugrenzen. Lisa-Kaindé und Naomi Diaz könnten nicht unterschiedlicher sein: Die extrovertierte Naomi zählt Künstler wie The Roots, Erykah Badu und Kendrick Lamar zu ihren Einflüssen, die ruhige Lisa-Kaindé hingegen liebt Jazz- und Soulsängerinnen wie Nina Simone und Billie Holliday. Allein diese musikalischen Vorbilder lassen ahnen, dass die beiden Schwestern alles andere als alltägliche Sounds erzeugen. In ihr selbstbetiteltes Debütalbum stecken sie Geschichten aus ihrem bewegten Leben; Geschichten über Liebe, Hoffnung und den Verlust geliebter Familienmitglieder; Geschichten über ihre eigene Identität und Kultur.

Geprägt sind die Zwillinge von Yoruba, der westafrikanischen Sprache und Kultur, die bis ins 19. Jahrhundert von Nigeria und Benin mit den Sklavenschiffen nach Brasilien und Kuba gebracht wird. Auf dem Inselstaat verbringen die Geschwister ihre ersten Lebensjahre. Zusammen mit der Mutter singen sie schon früh traditionelle, religiöse Spirituals. Und obwohl ihr Vater, Miguel „Anga“ Diaz, ein talentierter Conga-Spieler und Teil des Buena Vista Social Clubs ist, begeistern sich Lisa-Kaindé und Naomi anfangs wenig für das Instrumentenspiel. Nach seinem frühen Tod im Jahr 2006 erfolgt die Wandlung: „I am quite sure if he was still with us I would not play cajón“, sagt Naomi über den Verlust ihres Vaters.

Paris ist der gegenwärtige Wohnort des Duos. Einmal pro Jahr geht es zurück nach Kuba: Es ist wie Urlaub in einer anderen Welt. „We grew up in two different worlds and we wanted to put them together.“ So kommt es, dass die Zwillinge beginnen, zusammen Musik zu machen. Lisa-Kaindé ist für den Großteil des Gesangs und die Klavier-Parts zuständig, wohingegen Naomi raue Background-Vocals und die elektrisierende Percussion beisteuert. Daraus resultiert ein Sound, der eigensinnig neu und einzigartig klingt. Ähnliches muss sich auch XL-Labelchef Richard Russell gedacht haben, als er 2013 über YouTube auf die Zwillinge aufmerksam wird und sie kurzerhand unter Vertrag nimmt.

Die Synthese aus afrikanischen Rhythmen und African-American Spirituals, jazzigen Vocals in drei verschiedenen Sprachen und elektronischen Elementen klingt atemberaubend. Schon das vokale Intro, gesungen in Yoruba, zieht den Zuhörer schlagartig in seinen Bann. Daran ändert sich auch nichts in den folgenden 45 Minuten: Von Schmerz bis Lebensfreude wirbeln eindringlich-leidenschaftliche Melodien und Beats jegliche Facette der menschlichen Gefühlswelt auf. „We hear laughter and we think of you, we walk on rhythm and we think of you“, singen, ja fast schon beten, Lisa-Kaindé und Naomi in „Think Of You“, das in Gedenken an ihren Vater geschrieben ist. „Yanira“ ist nach der älteren Schwester benannt, die vor zwei Jahren an einem Schlaganfall stirbt. Und auch hier meditieren die Zwillinge hoffnungsvoll: „We will meet in heaven.“

„Ghosts“ und „River“ bilden eine subtile Einheit, da sie in einem nahezu identischen Tempo fließend ineinander übergehen und beide mit vibrierenden Bässen und akzentuierten Beats bestechen. Mühelos bauen die Schwestern in dieses elektronisch geprägte Songmuster ihre Yoruba-Gesänge ein, als würden diese seit jeher zusammengehören.

Ibeyi – man kann es schon ahnen – ist Yoruba und bedeutet: Zwillinge. Lisa-Kaindé und Naomi Diaz könnten nicht unterschiedlicher sein, und ergänzen sich trotzdem perfekt. Das zeigt das beachtliche Debütalbum, auf dem die beiden viele spannende Elemente zusammenbringen.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Ibeyi“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    CHIC SCHNACK
    Feb 19, 2015 Reply

    Die beiden Schwestern machen das wirklich fabelhaft. Ein richtig tolles Album. Und wir freuen uns auch auf die Tour im April: http://www.chic-schnack.org/ibeyi-auf-tour-in-deutschland/

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