Beach Fossils – „Somersault“ (Album der Woche)

Cover des Albums Somersault von Beach FossilsBeach Fossils – „Somersault“ (Bayonet)

Veröffentlichung: 2. Juni 2017
Web: beachfossils.com
Label: Bayonet

2010 war popmusikalisch ein verwaschenes Jahr – im schönen Sinne. So wie man sich nach einem langen Tag am Meer wieder zurück in der Stadt fühlt – die Haut voller Sand und Sonne, die Wellen hallen noch im Kopf nach. Mit einer sanften Erschöpfung, die sich nicht aus Anstrengung speist, muss man sich wieder an den Asphalt gewöhnen und schaut mit einem ganz anderen Blick aufs Urbane. Alben wie Tame Impalas „Innerspeaker“ oder Caribous „Swim“ trugen dieses zweischneidige Gefühl mit sich. So richtig aufgegangen darin sind aber die Bands des New Yorker Labels Captured Tracks, allen voran Beach Fossils mit ihrem Debüt.

Und diese Stimmung zieht sich wie ein roter Faden durch die Musik der Band aus Brooklyn, bis hin zu ihrem neuen Album „Somersault“. Verschlafener Harmoniegesang, mit Reverb angefütterte Gitarren und entspannte, tänzelnde Basslines geben hier wieder den Ton an. „No, I won’t be there on time“, singt Dustin Payseur im Opener „This Year“ – mehr feststellend als entschuldigend. So ist das eben, Dinge passieren und nehmen ihren Lauf. Eine lässige Haltung, die zu den Kompositionen auf „Somersault“ passt. Fast wie selbstverständlich schleichen sich Cembalo („Closer Everywhere“), Flöte („Saint Ivy“) und Streicher (besonders schön in „This Year“) in die Lieder und bringen einen Hauch Baroque Pop mit sich, keine große Sache.

In der Tat ließen sich Beach Fossils bei den Arbeiten am Album nicht hetzen, bewusst wurde sich keine Deadline gesetzt, die Veröffentlichung auf dem eigenen Label geplant. Und zum ersten Mal ließ Dustin Payseur seine Mitmusiker richtig am Songwriting teilhaben – frühere Alben schrieb er komplett allein. Mit Bassist Jack Doyle Smith und Gitarrist Tommy Davidson kam noch etwas mehr Leichtigkeit, etwas mehr Raum in die Musik. Melancholische Songs wie „May 1st“ entfalten ihren Zauber Takt für Takt. In „That’s All For Now“ – ein passender Titel für den letzten Song auf „Somersault“ – fügt sich jeder Part mit schimmernder Mühelosigkeit. Rasant geht es los, nach und nach hebt und senkt sich der Song durch bittersüße Harmonien, um schließlich wohlig weich auszufaden – wie ein Tag am Meer.

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