Die Lichter dieser Stadt: Tellavision

Manchmal überrascht einen diese Stadt doch noch. So zugetragen vor ungefähr ein paar Monaten als ich ein Konzert von Glasser in der hiesigen Prinzenbar besuchte. War doch der überraschend aufregendere Teil des Abends schon nach der Eröffnung und noch bevor Glasser überhaupt spielte vorbei. Als ich und meine Begleitung den Raum betraten stand auf der Bühne eine junge Frau ganz allein mit ein paar Instrumenten, einige bekannt, andere sonderbar.

Schlecht ausgeleuchtet schlug sie auf eine Art Schuhkarton, nahm dies mit einem Mikrofon auf und lies es von Maschinen wieder abspielen. Auf diesen perkussiven Teppich spielte sie entweder Gitarre, Keyboard oder lies einfach nur ihre Stimme über allem schwingen. Dabei merkte man als Beobachter von der Präzision rein gar nichts, es schien als würde sie jeden Tag nichts anderes tun, als genau das hier. Es war als würden dort mehrere Personen auf der Bühne stehen und diese Wand kleistern. Der Raum war wie das Auge eine Windhose und ihre Klangkörper das Zentrum. Anschließend verwundert über den Zuspruch, verließ die Dame mit einigen Worten ihre Bühne und warb für die eigene Myspaceseite. Danach stellten sich im Publikum die immer wieder gleichen Fragen: „Wer war das? Hast Du verstanden was sie sagte?“

Zum heutigen Zeitpunkt weiss ich zum Glück den Namen dieser Künstlerin und kenne ihre Musik besser. Sie nennt sich Tellavision. Heisst mit bürgerlichen Namen Fee Kürten. Ist Jahrgang 1988. Lebt und studiert seit ein paar Jahren Kunst in Hamburg. Sie verbindet ihre Musik mit ihren Bildern. Nimmt ihre Lieder selber Zuhause im Schlafzimmer auf. Sie bucht ihre Konzerte weitestgehend selbst. Entwirft die Cover und Verpackungen ihrer CDs. Sie publiziert ihre Kunst über eine Plattform für ebensolche die kein Label suchen sondern sich auf das praktische konzentrieren wollen.
Das alles unter einem Schirm von: NON-PERFECTION. Einfach machen. Loslegen. Ohne Vorwarnung und Absichten.

Folgendes Video wurde von Freunden, ähnlicher Gesinnung, in einem dieser Schlafzimmer aufgenommen, damals wohl noch in einer von ihr besetzten Wohnung.

Die Musik von Tellavision ist überdeckt von einer warmen Lebendigkeit und doch kühler Tiefe die berührt oder besser noch einspinnt wie ein Schwingungsknoten aus kräftigen Harmonien und sanft kaputten Geräuschkissen. Dazu ein dilettantische Aufnahmestil, Lo-Fi ja, aber irgendwie immer mit einer festen Masse aus tiefen Bässen und weiten Räumen. Über all dem schwebt diese Stimme. Manchmal erinnert sie an eine junge PJ Harvey, dann wieder an eben Glasser oder aktuell an die Berlinerin Janine Rostron alias Planning to Rock. Sowieso war ich persönlich über den aktuellen Standort Hamburg in ihrer Vita verwundert, würde man diesen doch eher in der Hauptstadt vermuten.

Live ist Tellavision ebenso überzeugend wie ihre Aufnahmen. Ein weiterer Beweis dafür ist, dass z.B. eine grosse Bookingagentur sie nach dem Konzert mit Glasser gleich einlud einige Supports für Twin Shadow zu spielen. Und damit komme ich zum eigentlichen Impuls zurück.

Tellavision spielt zusammen mit Skirt am 11.06. im Centro Sociale in Hamburg.
Auch im Sommer ist sie wieder unterwegs.

11.06. – Centro Sociale – Hamburg
25.07. – C/O Pop Festival – Köln
22.07. – Appletree Garden Festival – Diepholz

Ich empfehle darüber hinaus ihr Album „Musik on Canvas“.
Welches hier gestreamt, heruntergeladen oder bei der Künstlerin persönlich gekauft werden kann.

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Diskussionen

3 Kommentare
  1. posted by
    fabian
    Okt 15, 2011 Reply

    Es ist wirklich schwierig heutzutage an gute Musik zu kommen.
    Diese Gesellschaft übersetzt Talent so, dass wirklich jeder denkt er hätte ein besonderes. Gerne wird Musik da als Projektionsfläche benutzt.
    Tellavision ist sicherlich nicht sonderlich schlecht, aber sicherlich auch weder innovativ noch sonderlich spannend.
    Eben dieses typische „Ich bin in kleines Künstlermädchen aus Hamburg, Berlin, Stockholm“-Gedöns, das sicherlich Anhänger findet, jedoch von der Welt einfach nicht gebraucht wird, da schon in zahlreicher Ausführung vorhanden.

  2. posted by
    henrik
    Jun 10, 2012 Reply

    die musik ist wirklich zum gähnen…
    und ich schließe mich meinem vorgänger an.
    es muss doch wirklich nicht jeder musik machen.

  3. posted by
    willy
    Jan 7, 2013 Reply

    Hatte tellavision auf dem MS Dockville Festival 2012 erleben dürfen und war begeistert.

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