Konzertbericht: Ja, Panik in der Manufaktur, Schorndorf, am 19. November

Ja, Panik (©Christoph Voy)Ja, Panik (©Christoph Voy)

„Wir haben einfach Stil und Geschmack“, behauptet Andreas Spechtl von Ja, Panik in einem Quatsch-Videointerview auf YouTube. Dessen überzeugen konnte sich das Publikum beim Auftritt der österreichischen Band in der Manufaktur in Schorndorf. Jedes Bandmitglied kam in schwarzen Schuhen und schwarzer Hose auf die Bühne, und als wollten sie sich an ihre eigenen Song halten, vergaßen sie auch das schwarze Hemd nicht. So ganz in schwarz, stil- und geschmackvoll, standen die fünf da, während die Nebelmaschinen so kräftig arbeiteten, dass man dachte, sie wären vielleicht kaputt. Von hinten sparsam beleuchtet sah man durch all den Nebel nur die Umrisse der Band, während sie die ersten Töne von „Trouble“ aus dem aktuellen Album „DMD KIU LIDT“ spielten. Die Bassdrum mit komplett weißem Fell leuchtete bei jedem Schlag und die einzelnen Lichtstrahlen wirkten im Nebel, als könnte man sie greifen. Sie sehen gut aus und die Band spielt tight. Ein Beginn, der sich sehen lassen konnte.

Die meisten der Songs des gut eineinhalbstündigen Sets von Ja, Panik stammten aus „DMD KIU LIDT“, und so auch eines der schönsten Lieder des Abends. Ein wenig überrascht wirkte das Publikum, als bei „Nevermind“ der Scheinwerfer nur auf Schlagzeuger Sebastian Janata gerichtet war. Er sang die erste Strophe des Songs, die zweite sang Bassist Stefan Pabst und so ging es reihum. Jeder seine Strophe, bis am Ende nur noch Spechtl übrig blieb, „wie sich das so gehört“, wie er selbst ein wenig grinsend sang. Ganz im Vordergrund stand Spechtl dann wieder beim letzten Song des regulären Sets, als er mit dem Pianisten Christian Treppo die Plätze tauschte, um dem Schorndorfer Publikum noch ein Gute-Nacht-Lied oder „Lullaby“ zu singen, wie man laut Spechtl im englischsprachigen Teil Österreichs dazu sagt.

„The Evening Sun“ beendete den Ja,-Panik’schen Auftritt so hervorragend, dass man sich ein bisschen wünschte, dass die Band es damit gut sein lassen würde, weil es nun arg viel besser nicht mehr gehen würde. Die obligatorische Zugabe fehlte aber natürlich auch bei Ja, Panik nicht – allerdings hoffte man, dass die Forderungen einiger Anwesender nach dem Song „Marathon“ unerfüllt bleiben würden. Nicht, dass es ein schlechter Song wäre, doch nach „The Evening Sun“, das mit seiner simplen, bittersüßen Pianomelodie und der Band als Chor ein würdiger und sehr geschmackvoller Abschluss des Konzert war (und nebenbei auch für Mixtapes jeglicher Art ist), wäre „Marathon“ unglaublich fehl am Platz gewesen.

Stattdessen entschieden sich Ja, Panik dafür, 14 Minuten lang mit aller Wucht das Leben und die Bedeutung von „DMD KIU LIDT“ durchzudeklinieren. Und spätestens als Spechtl fast schon erschöpft die letzten Zeilen des Titelstücks des Albums hauchte – „Du kannst zuhören, oder gehen, nur sei still, ach, sei so lieb“ – verstummt auch das vereinzelte Gerede im Publikum (vielleicht diejenigen, die „Marathon“ hören wollten?), und es war mucksmäuschenstill, als das Lied langsam ausklang. Ja, Panik haben Stil und Geschmack, so viel steht fest. Wie viel Geschmack genau, das wird sich zeigen, sobald ich ein paar Rezepte aus dem seit kurzem erhältlichen Ja,-Panik-Kochbuch ausprobiert habe.

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