Neue Platten: SBTRKT – „Wonder Where We Land“

Cover des Albums Wonder Where We Land von SBTRKTSBTRKT – „Wonder Where We Land“ (Young Turks)

7,2

Wer hätte das gedacht? Dass Dubstep, diese in ihrer radikalen Entschleunigung und Düsterheit beispiellose Clubmusik, ein Jahrzehnt nach ihrer Entstehung in London mal zu einem der effektivsten Werkzeugkästen des zeitgenössischen Pop werden würde. Ob der überdrehte Stadion-Electro von Skrillex oder der aufgeräumte Neo-Soul von James Blake, der Erfolg so einiger aktueller Künstler wäre ohne den Londoner Musikstil nicht möglich gewesen. Beim britischen Produzenten Aaron Jerome alias SBTRKT ist das ähnlich, auch wenn sein neues Album „Wonder Where We Land“ immer noch mit dem Dancefloor verwurzelt ist. So sind tiefe Bässe, House-Claps und treibende Dance-Bassdrums immer noch allgegenwärtig.

Dass die meisten der 15 Stücke jedoch weitgehend nach radiotauglichen Songs als nach Dancefloor-Tracks klingen, liegt vor allem an den Gastsängern. Neben Beiträgen des Londoners und langjährigen SBTRKT-Wegbegleiters Sampha, der Popsängerin Jessie Ware und dem 18-jährigen Rap-Newcomer Raury arbeitete Jerome auch mit Ezra Koenig von den New Yorker Indie-Hipstern Vampire Weekend zusammen. Das aus diesem Feature entstandene „New Dorp New York“ ist mit seiner Kreuzung aus Funk, frühem House und klappernden Livepercussions einer der ungewöhnlichsten Tracks. Aber auch „Wonder Where We Land“, bei dem der sonore Soulgesang von Sampha über obskuren 8-Bit-Sounds schwebt, ist ein Beweis für die stilistische Bandbreite von SBTRKT, der trotz aller Popaffinität nicht die Lust am Experiment zu verlieren scheint. Demnach bleibt der Brite der Vision von Dubstep verhaftet:  eine Musik jenseits von Stilkonventionen zu schaffen, die die kulturelle Situation des Jahrhunderts in ihrer ästhetischen Unübersichtlichkeit widerspiegelt.

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