Sudan Archives (Porträt & Interview)

Sudan ArchivesDie US-amerikanische Geigerin Sudan Archives verbindet traditionelle Musik aus Westafrika mit HipHop-Beats (Foto: Eric Coleman)

Ein musikwissenschaftlicher, archivarischer Ansatz, Geigenspiel und traditionelle Musik – klingt erst mal ein bisschen dröge, oder? Die 23-jährige Brittney Parks alias Sudan Archives verbindet genau das und beweist das Gegenteil. Die selbstbetitelte Debüt-EP der Künstlerin aus Los Angeles, die im Juli auf Stones Throw erschienen ist, ist eine Mischung aus Soul, westafrikanischen Rhythmen und sudanesischer Folk-Fiddelei – und eine der bisher besten Newcomer-Überraschungen des Jahres.

Parks, die ursprünglich aus Cincinnati kommt, hat mit acht Jahren begonnen, Geige zu spielen. Da sie keine Noten lesen konnte, spielte sie nach Gehör und begann relativ früh, eigene Melodien zu schreiben. In einem strengen, religiösen Haushalt aufgewachsen, überspannte sie schon im Kirchen-Orchester mit ihrem intuitiven Stil den Bogen. Abends schlich sich Parks in die Clubs von Cincinnati und entdeckte dort elektronische, looplastige Musik für sich. Die Abwesenheit von ebenfalls afro-amerikanischen Vorbildern in Orchestern machte es ihr schwer, sich selbst als Geigerin zu sehen, inspirierte sie aber auch auf besondere Weise, wie sie im Interview mit unserer Moderatorin Alex Friedrich erzählt hat:

Aus einer Vorliebe für afrikanische Kultur und Mode ließ sich Parks mit 17 von ihrer Mutter den Spitznamen „Sudan“ geben. Nach ihrem Umzug nach Los Angeles fand sie über ein Buch der Musikethnologin Jaqueline Cogdell DjeDje heraus, dass in Westafrika hauptsächlich GeigerInnen für die traditionelle Tanzmusik verantwortlich sind. Deren auch perkussiver Einsatz des Instrumentenkörpers als Klanggeber, rhythmisches Bogenstreichen und Saitenzupfen inspirierte Parks, ihren unkonventionellen Stil auszubauen und selbst Musik zu schreiben:

Nachdem sie sich ausgiebig mit ethnologischen Musikarchiven beschäftigt hatte, war der Findungsprozess für den Namen ihres Musikprojekts sicher: Sudan Archives. Mit ihrem experimentellen Mix aus geloopten Songstrukturen, modernen HipHop-Beats und west-afrikanischer Geigentradition ist sie eine der aufregendsten KünstlerInnen auf dem ohnehin nicht unter Langweiler-Verdacht stehendem Label Stones Throw.

Alex Friedrich hat die Künstlerin zum Interview getroffen. Mehr zu Sudan Archives, Musik und O-Töne der 23-Jährigen können alle Mitglieder im Verein „Freunde von ByteFM“ in der Ausgabe vom 22. September 2017 der Sendung In Takt hören.

Einen Eindruck des Spiels von Sudan Archives bekommt Ihr hier, in einem Cover des Rappers Kendrick Lamar:

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