Zum zehnten Todestag von Lee Hazlewood

Zum zehnten Todestag von Lee Hazlewood (Foto: Mark Pickerel)Barton Lee Hazlewood, einer der erfolgreichsten Songwriter der USA, starb vor zehn Jahren. (Foto: Mark Pickerel)

In einem Interview mit der britischen Zeitung The Guardian im Jahr 2002 wurde Lee Hazlewood gefragt, was ihn dazu brachte, Musiker zu werden. Seine Antwort: „Armut. Ich hatte in meinem Leben schon Dutzende andere Jobs, und keiner von ihnen gefiel mir“. Den stoischen Humor dieser Aussage würde man nicht unbedingt hinter einem der erfolgreichsten Songwriter der USA erwarten. Der Mann, der als Autor und Duett-Partner aus Nancy Sinatra eine Hit-Sängerin machte, gibt auch zehn Jahre nach seinem Tod immer noch Rätsel auf.

Barton Lee Hazlewood wurde 1929 in Mannford, Oklahoma geboren. Seinen ersten Genie-Streich zeigte er im Alter von 26 Jahren, als er bei seiner Arbeit als Radio-DJ den jungen Gitarristen Duane Eddy entdeckte und schnell eine erste Single mit ihm produzierte. Eddy wurde mit seinem charakteristischem Gitarren-Sound und Hazlewood als Produzent und Co-Songwriter zu einem Weltstar. Als die beiden 1957 zusammen in einem Studio in Phoenix, Arizona aufnahmen und das Studio keine Hall-Kammer zur Verfügung hatte, musste Hazlewood einen 7.500-Liter-fassenden Wasser-Container kaufen – um den typischen, tiefen „Twang“-Sound von Eddys Gitarre realisieren zu können. Die langjährige Zusammenarbeit mit dem Gitarristen brachte Hazlewood sein erstes Vermögen – und öffnete ihm vielversprechende Türen im sonnigen Kalifornien.

1963 erschien sein erstes Soloalbum „Trouble Is A Lonesome Town“ – eine düstere, sehr narrative Country-Platte. Hazlewood, begleitet von einsamer Gitarre und Kontrabass, erzählt in tiefem Bariton von der Stadt namens „Trouble“: „You won‘t find it on any map / but take a step in any direction and you are in trouble“. Einerseits ein verschmitzter Wortwitz, andererseits eine fatalistische Vorstellung.

Diese Mischung aus Dunkelheit und Humor lässt sich überall in seiner Karriere finden. Seinen größten Hit „These Boots Are Made For Walking“ schrieb er im Jahr 1965, eigentlich für sich selbst. In dieser Zeit wurde er von Frank Sinatra beauftragt, Hits für seine Tochter Nancy zu schreiben. Diese hört den Song und bestand nahezu darauf, ihn zu singen. Die von Hazlewood produzierte Aufnahme-Session gestaltete sich jedoch als problematisch. Im Interview berichtete er: „Sie sang viel zu hoch, und ich wollte, dass sie tief singt. Ich wollte, dass sie wie eine 16-Jährige singt, die Lastwagenfahrer vögelt.“ Sinatra ließ sich auf diese Aufgabe ein, andere Beteiligte äußersten jedoch ihre Zweifel. Nachdem „These Boots Are Made For Walking“ im Januar 1966 die Spitze der Billboard „Hot 100“-Charts erklomm, veröffentlichte Hazlewood eine von ihm selbst gesungene Version, in der er sich nach den Refrains über jene Zweifler lustig machte: „And this is the part of the song where everybody said ‚Well that can‘t be number one!‘“, „And this is the part of the record where engineer Eddie Brackett said ‚If we don‘t fade this out now we‘re all gonna get arrested!‘“

Das Paar Sinatra/Hazlewood war in den 60er-Jahren noch für viele weitere Hits wie die Duette „Jackson“ und das psychedelische „Some Velvet Morning“ verantwortlich. Hazlewood produzierte auch eine andere, massiv erfolgreiche Sinatra-Kollaboration: „Something Stupid“, das Duett von Nancy Sinatra und ihrem Vater.

Doch Ende der 60er-Jahre ging Hazlewoods Erfolgsserie zu Ende: Sein selbst gegründetes Label LHI Records ging schnell pleite, seine Soloalben floppten. Der NME schrieb über sein Album „Poet, Fool or Bum“ aus dem Jahr 1973 eine Rezension, die nur aus einem einzigen Wort bestand: „Bum“. Hazlewood zog sich nach Schweden zurück. Erst als in den Underground-Bewegungen der 80er- und 90er-Jahre seine psychedelische Country-Musik Kult-Status erhielt, tauchte er langsam wieder aus der Versenkung auf und nahm 2004 ein neues Album mit Nancy Sinatra auf. 2006 folgte mit „Cake Or Death“ sein letztes Album, aufgenommen nach der Diagnose von schwerem Nierenkrebs.

Vergleicht man „Cake Or Death“ mit jüngeren Spätwerk-Requiem wie David Bowies „Blackstar“ oder Leonard Cohens „You Want It Darker“ fällt auf, wie leichtfüßig Hazlewood mit seinem sicheren Tod umging. Lee Hazlewood hat sich sein Lachen offensichtlich bis zum Schluss bewahrt.

Heute jährt sich der Todestag von Lee Hazlewood zum zehnten Mal – Musik von ihm wird um 10, 15 und 19 Uhr im ByteFM Magazin zu hören sein.

Das könnte Dich auch interessieren:



Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.