Kala Brisella – „Ghost“ (Rezension)

Cover von Kala Brisella – „Ghost“ (Tapete Records)

Kala Brisella – „Ghost“ (Tapete Records)

7,6

Die Knochen sind müde, die Augen unendlich schwer und wo zum Teufel kommt eigentlich dieser ekelhafte Nachgeschmack her? Vielleicht war das gestern Abend doch zu viel des Guten. Leider aber auch alternativlos. Zu viel Frust, zu viel angestaute Wut, das musste ja irgendwie raus. Nun also der Kater danach. Und während man gestern noch lauthals gegen all den Schmerz angeschrien hat, fehlt heute scheinbar jegliche Kraft für ein erneutes Aufbäumen.

„Ghost“, das zweite Album des Berliner Trios Kala Brisella, bildet diese Stimmung irgendwo zwischen Kater-Depression und Weltschmerz hervorragend ab. Im Vergleich zum Vorgänger, der erst vor knapp anderthalb Jahren erschien, schaltet die Band drei Gänge zurück und zeigt sich in neuem, wesentlich ruhigerem Sound-Gewand.

Diese Neuausrichtung ist nicht risikofrei, waren es doch gerade die wütenden Momente des Ausbruchs und der noisegetränkte Post-Punk, die „Endlich Krank“ zu einem der spannendsten deutschsprachigen Alben des letzten Jahres machten. An allen Ecken und Enden brodelte es und überall war deutlich spürbar: Da ist eine unbändige Wut und Frustration, die sich immer wieder ihren Weg an die Oberfläche bahnt.

Zwischen Dada und Diskurspop

Das Risiko der Neuausrichtung hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn Kala Brisella verstehen es perfekt, die Geschichte des Vorgängers weiterzuschreiben und zeigen, dass sie wesentlich mehr können, als nur laut gegen den Frust anzuschreien. Die Grundstimmung auf „Ghost“ zeigt sich dabei im Wesentlichen ähnlich wie auf „Endlich Krank“. Die Wut und Frustration sind immer noch deutlich spürbar, sie werden einem aber nicht mehr mit voller Wucht ins Gesicht geknallt. Dieser Fokus auf die ruhigeren Momente führt dazu, dass eine der großen Stärken der Band noch mehr in den Vordergrund treten kann. Denn gerade textlich überzeugen Kala Brisella mit einer Mischung irgendwo zwischen Hamburger-Schule-Diskurspop und dadaistischen Verwirrungen, die an Ja, Panik erinnern.

Letztere als Referenz aufzuführen drängt sich alleine schon deswegen auf, weil Kala Brisella sie in einem ihrer Songs („I’m Sorry“) direkt zitieren. „Alles ist hin, hin, hin“ heißt es da, ein Verweis auf eine der schönsten Teenage-Angst-Hymnen der neueren Zeit. Und Kala Brisella gehen noch einen Schritt weiter und fügen hinzu: „Alles ist total beschissen“. Da schimmert sie durch, die Resignation, die Hand in Hand mit der Melancholie das Grundgerüst des Albums bildet.

Diese Stimmung zieht sich wie ein roter Faden durch die insgesamt zehn Songs auf „Ghost“. Und auch wenn es immer wieder kleine Momente gibt, in denen die Energie des Vorgängers hervortritt, hängen die Wolken doch viel zu tief, um noch einmal die Stimme zu erheben. Der gestrige Abend war dann doch einfach zu kräftezehrend.

Veröffentlichung: 14. September 2018
Label: Tapete Records

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