Mykki Blanco – „Broken Hearts & Beauty Sleep“ (Album der Woche)

Bild des Albumcovers von „Broken Hearts & Beauty Sleep“ von Mykki Blanco, das unser ByteFM Album der Woche ist.

Mykki Blanco – „Broken Hearts & Beauty Sleep“ (Transgressive Records)

Es ist mal wieder Juni und das heißt: Zahlreiche Großkonzerne färben ihre Corporate Brandings anlässlich des Pride Months für ein paar Wochen mit Regenbogenfarben ein. Währenddessen hat Mykki Blanko, kalifornische*r, transfeminine*r Rapper*in, andere Sorgen. Zum Beispiel das Patriarchat. „I said, patriarchy ain’t the end of me / Y’all motherfuckers better bend to me“, singt ein Chor gegen Ende des neuen Albums „Broken Hearts & Beauty Sleep“. Oder aber die pure Sorge ums finanzielle Überleben, mit der sich viele queere Menschen identifizieren können. „I said, what’s a girl gotta do to get some cash? / What’s a girl gotta do?“, heißt es im selben Song.

Das präsenteste, einen Großteil des Geschlechterspektrums einende Problem, das Blanco auf dieser LP thematisiert, ist aber die Liebe. „Broken Hearts & Beauty Sleep“, ist nicht nur die erste neue Mykki-Blanco-Platte seit fünf Jahren, es ist auch die bisher zugänglichste. Vergangene Projekte, wie das Mixtape „Gay Dog Food“ oder das Debütalbum „Mykki“, waren relativ abstrakter Natur, musikalisch zwischen Alternative-HipHop, R&B und elektronischen Elementen oszillierend. Im Kontrast dazu besteht „Broken Hearts & Beauty Sleep“ fast nur aus poppigen Lovesongs.

Keine Angst vor Cops und Kitsch

Was überhaupt nicht heißt, dass diese LP weniger subversiv ist als die Vorgänger. Liebe ist im HipHop nach wie vor ein unterrepräsentiertes Thema – und Blanco rappt direkt und unverblümt, direkt vom Herzen ins Mikrofon. „No bad business, I’m straight up / I came front on the one I love / A different high, yo it ain’t no buzz / It must be love, it must be trust“, heißt es im von House-Drums und R&B-Chören angetriebenen Opener „Trust A Little Bit“. In „Love Me“ beschreibt Blanco mit sanften Worten liebevolle Zweisamkeit: „Laughing in your ears, happiness, we live our best lives / Eating up my food, but you always leave the last fry.“

Sich so nah am Kitsch zu bewegen, bringt eine ganz eigene Art von Verletzlichkeit mit sich. Blanco steht da meilenweit drüber. „I’ve got a longing to feel / To be with you“, heißt es in „Want From Me“, über ein betont kitschiges Bossa-Nova-Instrumental. Die sonnige Pop-Ästhetik wird von den Gästen abgerundet, insbesondere die Features von Alternative-R&B-Stars Blood Orange und Jamila Woods. „Broken Hearts & Beauty Sleep“ ist bisher das tanzbarste HipHop-Album des Jahres. Selbst die antipatriarchale Wut, die auf dieser LP immer wieder durchscheint, verwandelt Blanco in einen Triumph. Oder wie es im Refrain von „Summer Fling“ heißt: „It’s the summеrtime, the block is hot / You can’t cuff me ‚cause I don’t fuck with no cops.“

Veröffentlichung: 18. Juni 2021
Label: Transgressive Records

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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