Radiation City – „Synesthetica“ (Rezension)

Cover des Albums Synesthetica von Radiation CityRadiation City – „Synesthetica“ (Polyvinyl)

6,0

„Portland is a city where young people go to retire“, sagt Fred Armisen im Intro zu „Portlandia“, der Comedy-Serie von ihm und Carrie Brownstein von Sleater-Kinney. Was die Mitglieder von Radiation City jeweils dazu bewegt hat, nach Portland, Oregon, zu ziehen, ist unklar, ein frühzeitiger Ruhestand wird es aber auf jeden Fall nicht gewesen sein. Mit „Synesthetica“ erscheint nun das dritte Album der Gruppe, die sich in der Tradition großer Popbands aus zwei Paaren zusammengetan hat.

Der Sound von Radiation City schimmert und scheint in vielen Farben. Ihr sanftmütiger Pop hat ein hell-psychedelisches Kolorit und erinnert damit ein wenig an die vielschichtigen Songs von Stereolab. Dazu trägt vor allem die Stimme von Lizzy Ellison bei, die einige Formen zwischen moderner Popröhre und 60er-Girlband kennt. Auf „Synesthetica“ kombinieren Radiation City spacige Synths und traumverlorene Gitarren mit Bossa-Nova-Elementen.

Beim Track „Separate“ kommen Letztere auf besonders behagliche Weise zum Einsatz und wechseln sich ab mit weitschweifenden, in die Ferne hallenden Synthie-Sounds. Eines der schönsten Stücke ist „Sugar Broom“ – kosmische Klänge und die weiche, mit Vocoder angezerrte Stimme von Ellison breiten sich hier kaleidoskopartig aus. Songs wie „Futures“ und „Fancy Cherries“ knüpfen an die großen Gesten vom Brill-Building-Pop längst vergangener Dekaden an und erinnern damit an Foxygen.

Im Vergleich zum Vorgänger klingt „Synesthetica“ reduzierter, ist aber immer noch schillernder, ausschweifender Pop. Radiation City haben sich mit ihrem dritten Album ein paar Ecken abgesäbelt und setzen bei ihrem „New Romanticism“, wie sie den Sound nennen, auf Kohärenz. Ein paar Überraschungen wären nicht fehl am Platz.

Label: Polyvinyl

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