Wet Leg – „Moisturizer“ (Album der Woche)

Von ByteFM Redaktion, 14. Juli 2025

Cover des Albums „Moisturizer“ von Wet Leg

Wet Leg – „Moisturizer“ (Domino Records)

Rhian Teasdale kann ziemlich gut austeilen. Das machte sie in der ersten Singleauskopplng des neuen Albums ihrer Band Wet Leg unmissverständlich klar: „Can you catch a medicine ball?“, fragt die Britin über einen muskulösen Dance-Punk-Basslauf. „You should be careful, do you catch my drift? / ‘Cos what I really want to know is can you catch these fists?“ Ein Song übers Verprügeln übergriffiger Männer im Club. Der nonchalant schlüpfrige Humor ihrer unwiderstehlichen Durchbruchssingle „Chaise Longue“ aus dem Jahr 2022 ist immer noch intakt („He don’t get puss / He gets the boot“). Doch die Grundstimmung ist aggressiv und angepisst: „I know all too well just what you’re like / I don’t want your love I just wanna fight“.

Doch eine gute Boxerin beherrscht nicht nur den rechten Haken, sondern weiß auch, wie man effektiv antäuscht und ausweicht. Und genau so eine Finte ist die Single „Catch These Fists“ – denn „Moisturizer“, das dazugehörige Album, ist eine euphorische, extrem verliebte LP geworden. Die Band, die vor wenigen Jahren noch mit Vagina-Metaphern um sich warf und „full of it“ mit „suck my dick“ reimte, singt plötzlich Liebeslieder. Mit warmherzigen Hooklines wie diesen: „So many creatures in the fucking world / How could I be your one? / How did I get so lucky to be loving you?“

Ansteckend verliebt

Und sie klingen großartig dabei. Musikalisch haben Teasdale und ihre Lead-Gitarristin Hester Chambers die extremeren Pole ihres Sounds weiter von einander entfernt: Die leiseren Songs klingen sanfter, die lauten Tracks hingegen verzerrter und chaotischer. Songs wie das folk-rockige „Davina McCall“ oder die Dreampop-Ballade „11:21“ könnten fast von ihren britischen Kolleginnen Girl Ray stammen, während das gnadenlos nach vorne preschende „Pillow Talk“ eher an Nine Inch Nails erinnert. Doch auch hier, im kaputtesten Song von „Moisturizer“, bleiben Wet Leg romantisch – wenn auch sehr, sehr körperlich. „You wanna eat me / I’ll be your carrot / At night I go to sleep and you’re the only thing I dream about / When you tell a joke you make me laugh so maniacal“, sing-schreit Teasdale während Chambers Fuzz-Gitarren-Riff in sich selbst kollabiert.

Doch die stärksten Momente von „Moisturizer“ sind die zarten. Im Vergleich zum ausschließlich von Teasdale und Chambers geschriebenen Vorgänger wurde dieses Album gemeinsam mit ihrer Liveband geschrieben, als fünfköpfiges, von unzähligen Festival-Gigs erprobtes Kollektiv. Und das Ergebnis ist ein müheloser Band-Sound, der Teasdales Texte mit federleichten Arrangements umgarnt. In „Pokemon“ spielen sie hemmungslos verknallte Pop-Musik in Reinform, während „Liquidizer“ in sanftem Quasi-Country-Gewand daherkommt. Hier kann Teasdales windschiefe Liebes-Lyrik am meisten strahlen – selbst Zeilen wie „I’ll be your Shakira / Whenever, wherever“ sind in ihrer Euphorie unglaublich ansteckend.

Veröffentlichung: 11. Juli 2025
Label: Domino Records

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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