
East End x Yuri waren in den 90ern Teil der ersten erfolgreichen J-Rap-Welle (Foto: Single-Cover von „Iikanji Yanakanji“)
Unser Track des Tages „Iikanji Yanakanji“ von East End x Yuri ist ein Stück japanischer HipHop-Geschichte. Als das Stück im Jahr 1995 erschien, gehörte das erweiterte Tokioter Trio zur ersten kommerziell erfolgreichen J-Rap-Welle. Natürlich griff die Musikszene in Japan schon deutlich früher HipHop-Elemente auf. So gelten Yellow Magic Orchestra als die Band, die 1981 mit „Rap Phenomena“ den ersten japanischen Rap-Track veröffentlichte. Doch YMO sind ein Avantgarde-Pop-Spezialfall, zudem waren die Raps auf Englisch. Zwei Jahre später popularisierte der Film „Wild Style“ in Japan HipHop als Genre und Kultur. Aber aus dieser etablierten sich zunächst vor allem Breakdance und das DJing, während Rap noch auf seine Stunde warten musste.
Dass eine muttersprachliche japanische Rap-Kultur sich nur langsam entwickelte, hing vermutlich auch mit einer linguistischen Hürde zusammen. Beispielsweise kennt das Japanische keine Silbenbetonung wie in europäischen Sprachen und auch der Satzbau unterscheidet sich fundamental vom Englisch der Rap-Vorbilder. Erst 1994 landeten Scha Dara Parr und Kenji Ozawa (vormals in der Indie-Pop-Band Flipper’s Guitar) mit „Kon’ya wa būgi bakku“ den ersten einheimischen Rap-Hit. Noch im selben Jahr traten East End x Yuri auf den Plan und lieferten J-Rap-Hit-Nachschub. Als Trio hatten East End schon 1992 ein Album herausgebracht, das heute schwer zu finden ist. Erst mit Yuris Zugang stellte sich der Erfolg ein.
Durchbruch des J-Rap
Dafür war dieser Erfolg umso größer. Wie Yellow Magic Orchestra und Kenji Ozawa stiegt Rapperin Yuri Ichii sozusagen quer ins Rap-Game ein. Vorher nämlich war sie Teil der Idol-Pop-Gruppe Tokyo Performance Doll. Doch in der japanischen Musikszene funktioniert die Genredurchlässigkeit oft ziemlich selbstverständlich. So wurden gleich die ersten beiden Singles „Da.Yo.Ne“ und „Maicca“ zu den ersten J-Rap-Millionensellern. Nicht ganz so viel verkaufte der Nachfolger, unser Track des Tages. Er platzierte sich aber immerhin noch an dritter Position der Oricon-Charts. Musikalisch lassen sich Parallelen zu Arrested Developement oder De La Soul ziehen, aber auch zum spaßigen Dancefloor-Vibe von Definition Of Sound oder Betty Boo. Doch die Songs funktionierten nicht nur auf international konkurrenzfähigem Produktionsniveau, sondern sind auch erste Zeugnisse einer eigenen japanischen Rap-Sprache.
Das Album „Denim-ed Soul 2“ von East End x Yuri ist 1995 auf dem Label Epic/Sony erschienen. Der Song „Iikanji Yanakanji“ ist, anlässlich unserer Themenwoche zu 80s & 90s HipHop, heute unser Track des Tages!