Zehn Fragen an: Kai Bempreiksz (Hidden Tracks)

Foto von Kai BempreikszAlles begann mit einem Leserbrief: Seit fast zehn Jahren spannt Kai Bempreiksz in seiner Sendung Hidden Tracks den Bogen von Gitarre bis Bum-Bum

Woche für Woche präsentiert Kai Bempreiksz in seiner Sendung Hidden Tracks einen musikalischen Gemischtwarenladen jenseits von Markenquatsch, Labelfetish, Klangdiscount und musikalischem Schubladendenken – oft und gerne mit einem Fokus auf die deutschsprachige Indie-Szene der vergangenen 40 Jahre. Nur vier Tage nach dem Sendestart von ByteFM ging Kai Bempreiksz mit Hidden Tracks auf Sendung und kann damit im Januar ebenfalls auf zehn Jahre bei ByteFM zurückblicken. Ein schönes Detail an dieser Geschichte: Alles begann mit einem Leserbrief, den der begeisterte Radio-Fan einst an ByteFM Gründer Ruben Jonas Schnell schrieb …

Kai, wie bist Du zu ByteFM gekommen?

Das war eher ein Zufall. Ich höre die Sendungen von Ruben Jonas Schnell schon seit Ende der 90er-Jahre auf NDR Info. Es gab irgendeinen Anlass, um Ruben Anfang des Jahres 2007 eine Hörer-Mail zu schreiben. Genau weiß ich nicht mehr, um was es da ging, aber ich habe mich in der Mail mit „Radiokollege“ verabschiedet. Ruben fragte mich, ob ich auch irgendwo beim Radio arbeiten würde. Als ich ihm erneut zurückschrieb, dass ich bei Radio Flora in Hannover zwei Sendungen (Saitensprung und Hidden Tracks) mache, war sein Interesse geweckt. Wir trafen uns nach kurzem E-Mail-Verkehr in Hannover, wo mir Ruben zum ersten Mal von seiner ByteFM-Idee erzählte. Es hörte sich an wie ein Traum! Natürlich wollte ich dabei sein. Die erste Ausgabe von Hidden Tracks auf ByteFM lief dann am 15. Januar 2008 um 21 Uhr.

Was machst Du so, wenn Du nicht bei ByteFM moderierst?

Mein Beruf ist eigentlich ein ganz anderer. Ich bin Krankenpfleger und seit 15 Jahren als OP-Pfleger tätig. Mein Plan war es, nach der Schule schnell Geld zu verdienen, um mir Platten kaufen zu können. Studienfächer wie Journalismus oder ähnliches interessierten mich nie. Ich wollte Musik hören und alles hören, was es irgendwo auf dieser Welt anzuhören gibt. Zwischenzeitlich hatte ich mir sogar den Traum eines eigenen Plattenladens erfüllt: Mint Music in Hannover-Linden. Aber der Traum des Plattendealers war schnell ausgeträumt.

Beschreibe die Essenz Deiner Sendung Hidden Tracks in fünf Worten:

Alles kann, außer Death Metal.

2004 hast Du den britischen Musikradio-Papst John Peel interviewt. Welche Rolle spielte er für Dich und Deine musikalische Sozialisation?

Anfang der 90er-Jahre habe ich zum ersten Mal John Peels Sendung auf dem britischen Soldatensender BFBS gehört, von dem ich seit Mitte der 80er Fan war. Es war ein toller Sender und man konnte praktischerweise sein Schulenglisch verbessern. Anfangs hörte ich natürlich lieber die Top-40-Shows, später ausnahmslos die Peel-Shows. Als mich ein Kumpel per SMS über seinen Tod informierte, das war im Oktober 2004, war ich gerade mit dem Fahrrad auf dem Weg ins Niedersachsenstadion zum Heimspiel von Hannover 96. Mein 96-Kumpel und ich wollten daraufhin unbedingt Peels Lieblingssong „Teenage Kicks“ im Stadion hören – gibt es in Bundesligastadien aber nicht. Drei Monate zuvor traf ich John Peel noch in den Maida Vale Studios in London und wir sprachen unter anderem über Death Metal, F.S.K. und Zähneputzen.

In Zeiten von Algorithmen und automatisierten Playlisten: Wie definierst Du ganz persönlich Deine Rolle als Moderator? Welchen Stellenwert hat moderiertes Radio für Dich?

Das Radio an sich hat nun eine ganz andere Rolle als früher. Ich habe dieses Medium Ende der 70er-Jahre kennen- und liebengelernt. Ich sehe mich als Radio-Fan alter Schule, der für andere Fans selektiert und die eigene Auswahl präsentiert. Natürlich ist weiterhin die persönlich Note wichtig. Bei mir ist es die Tatsache, dass traditionell meine Waschmaschine läuft, wenn ich meine Sendung aufnehme. Manchmal hört man es auch ein bisschen.

Hast Du eine Lieblingsausgabe von Hidden Tracks bzw. eine Sendung, die Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Dazu gehören natürlich vor allem die Studiogäste und InterviewpartnerInnen wie Mulatu Astatke, John Peel, Freiwillige Selbstkontrolle oder Larvae aus Atlanta, der uns während der Sendungsaufnahme filmte.

Was war das schönste Kompliment einer Hörerin oder eines Hörers?

Mir schrieb mal ein 14-jähriger Junge. Er hatte anscheinend die Ankündigung der Sendung gelesen und wollte unbedingt die alten Afro-Singles hören, die ich im Text erwähnt hatte. Er war begeistert!

Hast Du eine Lieblingssendung bei ByteFM bzw. eine Empfehlung?

Eigentlich viele, zum Beispiel Was ist Musik mit Klaus Walter oder Neuland, die Sendung für die neuen Platten. Aber auch Jan Möllers Von Büllerbü nach Babylon (schon der Titel!). Leider ist Michael Kleff nicht mehr dabei – seine Sendung This Land – Your Land vermisse ich sehr. Es hat großen Spaß gemacht, diese Show auf einem dreiwöchigen Roadtripp durch die USA zu hören.

Was wünschst Du Dir für die Zukunft, für Dich und ByteFM?

Ein Traum wäre, wenn ByteFM eine ähnliche Rolle wie der Sender BBC Radio 6 Music im deutschen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk einnehmen würde. Und wenn ich darf, mache ich mit.

Und zum Abschluss: die drei Platten für die Insel?

Mein Plattenregal und ein Internetradio.

Hidden Tracks mit Kai Bempreiksz – jeden Mittwoch von 22 bis 23 Uhr auf ByteFM.

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