Kramladen Christoph Spendel – zum Tod des renommierten Jazz-Pianisten
Der Jazz-Pianist Christoph Spendel ist am Freitag, dem 7. November 2025, völlig überraschend nach einem Auftritt in Kronberg an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben. Gerade hatte er noch seinen 70. Geburtstag und sein 50-jähriges Bühnenjubiläum am 1. November im Frankfurter „Instituto Cervantes“ mit einem Auftritt seiner Christoph Spendel Group feiern können.
Christoph Spendel wurde am 19. Juli 1955 im polnisch-schlesischen Byton geboren, wo er schon als Kind von seiner Mutter, einer Klavierpädagogin, im klassischen Klavierspiel unterrichtet wurde. 1963 zog er mit seiner Familie nach Düsseldorf, studierte dort an der Robert-Schumann-Musikhochschule, wandte sich aber bald dem Jazz zu. Mitte der 1970er-Jahre begann er seine professionelle Kariere als Jazzmusiker, arbeitete aber auch als Musikjournalist vornehmlich im Bereich Jazzpiano, gründete verschiedene eigene Formationen, zuletzt die hochgelobte Christoph Spendel Group, produzierte in seinem eigenen Studio Soundtracks für Film und Fernsehen und lehrte Jazzklavier an den Hochschulen in Köln und Frankfurt.
Sein erstes eigenes Jazz-Ensemble Sunburst stellte er 1978 vor, nachdem er zuvor in den Bands Jazztrack, Riot und in Toto Blankes Electric Circus mitgespielt hatte. Im Laufe der Jahre arbeitete er mit der gesamten deutschen Jazz-Elite zusammen, um nur Albert Mangelsdorff, Wolfgang Dauner, Christof Lauer, Hans Koller, Wolfgang Schlüter und Michael Sagmeister zu nennen. Mit letzterem veröffentlichte er zwei Duo-Alben, ein weiteres war für 2026 geplant.
Christoph Spendel galt als einer der wichtigsten Jazzmusiker Deutschlands und Europas. In seinen stilistisch vielfältigen Kompositionen verband er Fusion-Jazz, brasilianische Musik, kubanischen Son, minimalistische und impressionistische Stil-Elemente mit der Melodik und harmonischen Tiefe der klassischen Romantik – doch all dies immer durchdrungen von der improvisatorischen Freiheit des Jazz. Wichtige Impulsgeber waren für ihn die Jazzpianisten Bill Evans, McCoy Tyner, Chick Corea, Joe Zawinul von Weather Report und Herbie Hancock. Dessen Soundexperimente mit elektronischen Tasteninstrumenten beeinflusste ihn so stark, dass er begann, sich ebenfalls mit Keyboards zu beschäftigen. Beeindruckt wurde er auch von Keith Emerson, dem Keyboarder von The Nice und Emerson Lake and Palmer. Er begeisterte sich auch für die Spielweise und Sounds von Lyle Mays, dem Keyboarder der Pat Metheny Group. Für Lyle Mays schrieb er eine musikalische Widmung mit seinem großartigen balladesken Titel „Amaysing Colours (For Lyle Mays)“. Doch anders als Hancock, Emerson oder Mays nutzte er elektronische Sounds und Keyboards vornehmlich nur für die Klangarchitektur seiner Arrangements. Soli spielte er fast ausschließlich mit dem klassischen Klavierklang. Synthie-Soli gab es bei ihm nie.
Seine hohe Wertschätzung für die lateinamerikanische Musik schlug sich nieder im hervorragenden Album „Spirits From The South“ seiner Christoph Spendel Group von 2024 und vor allem in seiner Songwidmung „Mr. Nascimento“ für den brasilianischen Musiker Milton Nascimento. Doch schon 2014 hatte er sich als Solist der Musica Tropical gewidmet mit seinem Album „Brasitronics“.
Seine Wandlungsfähigkeit bewies er schon 2002 mit seinem Chillout-Trio Planet Lounge, mit dem er drei Alben herausbrachte, gefolgt 2010 von seinem Acid-Jazz-Projekt Jazzmatics und 2013 von der Produktion „Smooth Jazz Park“ im Stil der soften, soul-angelehnten Jazz-Variante, die er schon während seines USA-Aufenthalts begonnen hatte.
Zu Beginn der 1990er-Jahre konnte er in der Musikszene New Yorks Fuß fassen, wo er unter anderem mit der Gruppe Special EFX auf Tournee war. Seine technischen Fähigkeiten und seine stilistische Bandbreite führte zur Zusammenarbeit mit internationalen Top-Künstlern wie Billy Cobham, Randy Brecker, Jeremy Steig oder Alphonse Mouzon.
Im Jahr 2000 zog er nach Frankfurt am Main. Dort lehrte er bis 2021 als Professor für Jazzpiano an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Kurz vor seinem Tod erschien sein Soloalbum „Piano Graffiti“, in dem er sein außerordentliches spieltechnisches Niveau unter Beweis stellte. Die zuvor veröffentlichten Alben seiner Christoph Spendel Group zählen zum Besten, was in der weltoffenen Jazzfusion-Szene Europas veröffentlicht wurde. Mit dieser seiner letzten, exzellenten Formation, der neben der jungen mallorquinischen Bassistin Alisa Pou Montz, der Saxofonist und EWI-Spieler Jan Beiling und der Schlagzeuger Stefan Schulz-Anker angehörten, hatte er noch viel vor. Ein weiteres Album war bereits in Arbeit.
In dieser Sendung zum Tod von Christoph Spendel kommen neben seinem Mitmusiker Jan Beiling auch langjährige musikalische Weggefährten zu Wort, der Jazz-Gitarrist und Professoren-Kollege an der Frankfurter Musikhochschule Michael Sagmeister, der Jazz-Pianist und -Veranstalter Axel Kemper-Moll, der viele Konzerte für Christoph Spendel arrangiert hat und der Jazz-Gitarrist Thomas Langer, der noch einen der letzten Auftritte mit Christoph Spendel begleiten konnte.
Im Zentrum der Sendung steht seine Musik und ein Interview, das ich mit ihm 2023 führen konnte.
(Foto: Gerd Coordes)
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Playlist
| 1. |
L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) Touch Me There / Zappa Records |
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| 2. |
Christoph Spendel Group / Sunny Attitude Spirits From The South / Blue Flame Records |
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| 3. |
Christoph Spendel / The Art Of Chords Jazzmatics / CSP |
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| 4. |
Christoph Spendel Group / Avenue E (live) International Jazz Day / CSP |
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| 5. |
Christoph Spendel Group / Mr Nascimento Spirits From The South / Blue Flame Records |
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| 6. |
Christoph Spendel Group feat. Michael Sagmeister / Limousine Limousine / Trion |
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| 7. |
Michael Sagmeister & Christoph Spendel / Donna Lee Binary / Acoustic Music |
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| 8. |
Christoph Spendel Group feat. Thomas Langer / Sinai Park (live) Jazznight Nr. 206 / www.maximal-rodgau.de |
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| 9. |
Christoph Spendel Group / Sinai Park Spirits From The South / Blue Flame Records |
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