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Was ist Musik Was ist AUCH-Musik 38 Jahre nach Music for Airports? (03.07.2016)

ByteFM: Was ist Musik vom 03.07.2016

Ausgabe vom 03.07.2016: Was ist AUCH-Musik 38 Jahre nach Music for Airports?

„Sound muss nicht zwingend etwas bedeuten, aber du fühlst etwas. Irgendwie habe ich eine intuitivere und aufrichtigere Beziehung zu Sound.“ So begründet Klara Lewis im WIRE-Magazin ihre vorläufige Entscheidung, Musik zu machen und nicht, wie eigentlich vorgesehen, Filme zu drehen. Bei ihren Filmversuchen habe sie festgestellt, dass sie schnell beim allzu Offensichtlichen landet und Klischees reproduziert, beim Creative Writing sei es ihr ähnlich ergangen. Um dem Sound, den Klara Lewis auf ihrem zweiten Album „Too“ produziert, dann doch Bedeutung abzugewinnen, liegt die Versuchung nahe, diesen Sound, der zunächst mal hermetisch daherkommt, an ihre Biografie zu koppeln, also die Biografie auf Indizien, Spuren und Zeichen abzusuchen, Anhaltspunkte, die dann doch etwas bedeuten. Das ist nun mal die Aufgabe von Sprache, deshalb machen wir den ganzen Scheiß. Ein erster Anhaltspunkt könnte der Albumtitel sein. „Too“ klingt gesprochen wie „Two“, es ist Klara Lewis zweites Album nach „Ett“. Beide Albumtitel bestehen aus drei Buchstaben. Alle neun Tracks auf „Too“ haben nur ein Wort im Titel: „View“, „Twist“, „Too“, „Else“, „Want“ usw. Im Deutschen hat „Too“ zwei Bedeutungen: Erstens: zu, im Sinne von zu viel, zu spät, zu weit, Too old to Rock´n´Roll, too young to die, Bed´s too big without you, Too drunk to fuck. Zweitens: Auch. Allerdings wird es im Englischen anders als im Deutschen nachgestellt. I´m an alien too. Silence is a rhythm too.

In Verbindung mit ihrer Biografie können beide Bedeutungen von „Too“ Bedeutung produzieren: „Too“ ist Auch-Musik im Sinne von: Der Sound speist sich aus gefundenen Sounds und ergänzt vorhandene Sounds, er ist eben auch da, vorhanden im Ambiente. „Ambient Music muss verschiedenen levels of listening attention gerecht werden, ohne eine bestimmte zu bevorzugen“, schreibt Brian Eno 1978 in den Linernotes zu seinem Album „Ambient 1 – Music For Airports“. „Sie muss so ignorierbar sein wie zugleich interessant.“

Frank Witzel versteht das so: „Auch wenn Ambient selten aufdringlich ist, verschwindet es nicht, sondern fordert ein ganz spezifisches Hören, was die Bewegung im Raum nicht abbricht, sondern parallel zu ihr stattfindet. Ambient hat also immer etwas von Bewegung und vor allem einen Puls, wie niedrig und zurückgenommen der auch sein mag.“ All das trifft zu auf „Too“, allerdings unter den Bedingungen des digitalen Alltags 38 Jahre nach „Music for Airports“.

Fortsetzung demnächst in der Jungle World. Sound dazu heute in Was ist Musik.

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Playlist

1.  Klara Lewis / View
Too / Editions Mego
2.  Klara Lewis / Too
Too / Editions Mego
3.  Brian Eno / Music For Airports
Music For Airports / Eg
3.  Pole / Kirschenessen
Pole 1 / Pias
4.  Klara Lewis / Beaming
Too / Editions Mego
5.  Edvard Graham Lewis / It’s Hard
All Over / Editions Mego
6.  Wire / I Am The Fly
I Am The Fly / Mute
7.  Edvard Graham Lewis / Where’s The Affen
All Over / Editions Mego
8.  Klara Lewis / Want
Too / Editions Mego
9.  Eluvium / Washer Logistics
False Readings On / Temporary Residence
10.  Bell Monks + Gregory Taylor / Ether Limning
Gregory Taylor Rework / Brocades + Palimpsests