Beach House – „Depression Cherry“ (Album der Woche)

Bild des Albumcovers von „Depression Cherry“ von Beach House, das unser ByteFM Album der Woche ist.

Beach House – „Depression Cherry“ (Bella Union)

Seit einer Dekade gibt es nun schon Beach House. Der Dream-Pop von Victoria Legrand und Alex Scally hat mit jedem Album neue Formen gefunden, ihr Sound ist dabei jedoch unverwechselbar geblieben. Mit den Veröffentlichungen auf Sub Pop (bzw. Bella Union in Europa), „Teen Dream“ 2010 und „Bloom“ zwei Jahre später, wurden die Bühnen für Beach House größer. Ihre Lieder wurden auch bombastischer, lauter. Davon wollen Legrand und Scally mit ihrem fünften Album „Depression Cherry“ abkehren. Ihr Erfolg soll nicht ihren Sound bestimmen, Rückbesinnung aufs Wesentliche ist der Plan.

Das demonstrieren Beach House nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch mit „Single Finder“ und „Setlist Generator“ auf ihrer Website. Es scheint so, als wollten sie den Kontakt zu ihren Fans ganz bestimmt stärken. Beim „Single Finder“ geht es nicht etwa um einsame Herzen, nein, die Band schlägt einem einen Song der neuen Platte vor. Dazu muss man nur aus allen bisherigen Alben drei Lieblingssongs auswählen. Und der „Setlist Generator“ weckt extra Vorfreude auf die bevorstehenden Auftritte, denn hier darf man wieder drei Lieblingssongs wählen und angeben, bei welchem Konzert man diese hören möchte.

Auch die ersten Takte von „Depression Cherry“ vermitteln Rückbesinnung. Ein dröhnender Grundton, ein zweiter darüber, und dann setzt in „Levitation“ der helle, leise raschelnde Beat des Drum Computers ein. Der gleiche Beat, der schon „Apple Orchard“ auf dem Beach-House-Debüt im Takt hielt. Und dann entfalten sich wieder die schwelgerischen Klangwelten, die an schwere Augenlider und sternenklare Nächte denken lassen. Der Musik von Beach House wohnt die Zeit- und Schwerelosigkeit inne. Jeder Song entsteht mit Bedacht, nichts geht Knall auf Fall, ein Arpeggio schiebt sich über einen Akkord, schiebt sich über zurückhaltende, elektronische Drums und inmitten brilliert die Stimme Victoria Legrands, die vermutlich jeden Tyrann in den Schlaf singen könnte.

Der „Space Song“ ist so ein hochwertiges Beruhigungsmittel, der einen mit minimalem Synthesizereinsatz und simpler Slide-Gitarre in den Bann zieht. Und ehe man sich versehen hat, schwebt man zehn Zentimeter über dem Boden. Ebenso, etwas dunkler und melancholischer, klingt „Beyond Love“. Und dann erhebt sich aus einer Myriade von Stimmen „Days Of Candy“, gleitet immer weiter Richtung Licht und Victoria Legrand singt wohlwissend um den Effekt ihrer Synthesizermagie „I know it comes too soon, the universe is riding off with you / I want to know you there, the universe is riding off with you.“

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