Fenster – „The Room“ (Album der Woche)

Fenster – „The Room“ (Album der Woche)

Fenster – „The Room“ (Altin Village & Mine)

Ein Raum mit zwei Türen. Eine führt hinein, eine heraus. Wenn man es auf eine ganz abstrakte Ebene herunterbricht, ist es das, was Fenster mit ihrem vierten Album erschaffen haben. Die Band eröffnet diese Platte mit dem Titeltrack „The Room“, einer sanften Einladung. Beendet wird das Album mit „Two Doors“, einem genauso melancholischen wie herzlichen Abschied. Begrüßt wird man mit freundlichen Akkorden und einem gemütlich auf der Stelle tretenden Bass. Entlassen wird man mit absteigenden E-Piano-Tupfern und glitzernden Synthesizern, die zwar wehmütig klingen, aber auch eines sagen: „Du wirst wiederkommen!“

Diese Raum-Metapher mag weit hergeholt klingen, aus der Luft gegriffen ist sie aber nicht. Die Gruppe Fenster ist eine interkontinentale Band: Sängerin und Bassistin JJ Weihl stammt aus den USA, Keyboarder Lucas Ufo aus Frankreich, während Schlagzeuger Elias Hock und Sänger und Gitarrist Jonathan Jarzyna aus Deutschland kommen. Zusammen sind sie im bekanntermaßen recht turbulenten Berlin tätig, doch nach drei Studioalben und einem sowohl selbst geschriebenen als auch selbst vertonten Spielfilm verspürten die vier KosmopolitInnen das Bedürfnis, sich einen eigenen Raum zu schaffen.

Ein Raum, den man gerne besucht

Die physische Form dieses Raums war ein entlegenes Haus, in das sich die Band zurückzog, um gemeinsam, ohne Störung durch äußere Einflüsse die zehn Songs dieses neuen Albums zu schreiben und aufzunehmen. Jede musikalische Idee wurde in diesem Raum geboren, jede Entscheidung wurde in diesem Raum getroffen. Dementsprechend könnte man „The Room“ als die akustische Form dieses Raumes bezeichnen.

Es ist ein Ort, den man gerne besucht. Nach dem einladenden Titeltrack folgt mit „HBW“ lupenreiner Psych-Pop, mit sich funkelnd überschlagenden Synthesizer-Arpeggios und krautigem Beat, über dem Weihl den murmelnden Damo Suzuki gibt. Später zeigt „Groovin‘ With The Eternal Now“, wie Funk auf dem Meeresboden klingen würde. Der direkt auf die Hüfte zielende R&B-Groove bei „Don‘t Move!“ macht es schwer, der titelgebenden Anweisung zu folgen. In „Like A River“ singt Jarzyna eine der verträumtesten Balladen des bisherigen Jahres. Und spätestens wenn einen schlussendlich „Two Doors“ mit seinen warmen Synthesizer-Flächen entlässt, weiß man eines: „Ich werde wiederkommen.“

Veröffentlichung: 14. September 2018
Label: Altin Village & Mine

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