P.A. Hülsenbeck – „Garden Of Stone“ (Album der Woche)

Cover des Albums „Garden Of Stone“ von P.A. Hülsenbeck

P.A. Hülsenbeck – „Garden Of Stone“ (Altin Village & Mine)

Mit ihrem synthesizerlastigen Post-Punk galten Sizarr vor wenigen Jahren als eine der vielversprechendsten Newcomer-Bands der deutschen Musikszene. Doch nach einer EPs, zwei Alben und vielen Vorschusslorbeeren war plötzlich Schluss. Das 2009 in Landau gegründete Trio gab im vergangenen September seine Auflösung bekannt. Doch die Ex-Mitglieder von Sizarr ließen nicht lange auf neue Solo-Projekte warten: Sänger Fabian Altstötter macht fortan als Jungstötter Musik – während Gitarrist, Bassist und Tastenspieler Philipp Hülsenbeck sich nach elektronischen Experimenten unter dem Alias Doomhound nun auf seinen eigenen Namen zurückbesinnt: P.A. Hülsenbeck.

Doch die Musik, die er unter diesem Namen macht, könnte nicht weiter entfernt von den pulsierenden Tracks seiner alten Band sein. „Garden Of Stone“, sein nun veröffentlichtes Solodebüt, beginnt nicht etwa mit Synthesizer-Geballer, sondern mit dem Klagegesang einer Trompete, ergänzt von weit entferntem Saxophon-Geschrei und einem sanft gezupften Kontrabass-Solo. Nach diesem instrumentalen Intro enthüllt Hülsenbeck im zweiten Song seinen Gesang: „Some things are way to pretty“, singt er bedacht und vorsichtig, über ein weiträumiges Slowcore-Instrumental, verziert mit jazzigen Drums und dem außerirdischen Klang eines Fagotts. Es ist kein Zufall, dass das Cover-Artwork an eine sich häutende Schlange erinnert: Hülsenbeck wirkt auf diesem Album wie ein neuer Mensch.

Die subtile Schönheit der Stille

Für diesen Häutungsprozess hat Hülsenbeck ein All-Star-Team des jüngeren deutschen Weird-Pops versammelt: Aufgenommen wurde „Garden Of Stone“ von Joe Haege und Fritz Brückner, beide aktiv bei White Wine, während Drangsal-Kollege Tim Roth für Produktion und Mix verantwortlich war. Bassist Johannes Weber spielt auch bei seinem ehemaligen Kollegen Jungstötter, Trompeter Max Kraft ist Mitglied der Leipziger Post-Wave-Band Fabian.

Gemeinsam haben sie einen sakralen Klangraum erschaffen: Songs wie „Survey“ oder „Speaking In Tongues“ klingen mit ihren weitläufigen Hallfahnen, als wären sie in einer Kathedrale aufgenommen worden. Es ist Post-Rock in der Tradition der späten Talk Talk, durchzogen von einer zeitlosen Ruhe. Genau wie diese Band lässt Hülsenbeck seine Stücke auch manchmal laut werden – die wenigen Momente, in denen plötzlich E-Gitarren kreischen und Schlagzeugbecken explodieren, lassen die ruhigen Passagen aber noch stiller wirken. Die intensivsten Momente von „Garden Of Stone“ sind die, in denen fast nichts passiert, wenn nur ein Gitarrenakkord leise ausklingt, ein Becken einsam schwingt oder Hülsenbecks Stimme im Echo verschwindet. Angesichts so viel subtiler Schönheit wiegt der Verlust von Sizarr nicht ganz so schwer.

Veröffentlichung: 30. November 2018
Label: Altin Village & Mine

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