Rival Consoles – „Persona“ (Album der Woche)

Rival Consoles - „Persona“

Rival Consoles – „Persona“ (Erased Tapes)

„Persona“, der 1966 veröffentlichte Experimentalfilm-Klassiker von Ingmar Bergman, beginnt mit zwei abstrakten geometrischen Figuren. Langsam, während das Bild stetig schärfer wird, zeichnet sich ab, dass das Gezeigte keine Farbkleckse, sondern zwei Lampen sind – und zwar innerhalb eines Filmprojektors.

„Persona“, das vierte Soloalbum des britischen Produzenten und DJs Rival Consoles, beginnt ganz ähnlich. Es wird nämlich mit einem musikalischen Gegenstück zu Bergmans abstrakten Flächen eröffnet: eine einzelne Snare-Drum, die mit viel Echo formlos durch den Äther wabert. Nach und nach füllen neblige Synthesizer die Leerstellen – bis nach einer Minute eine Four-To-The-Floor-Bassdrum dieses Spannungsfeld auflöst. Diese ersten Sekunden des Openers „Unfolding“ machen klar: „Persona“ ist keine herkömmliche Techno-Platte geworden.

Eine elektronische, klangliche Fortführung des Selbst

Rival Consoles, der mit bürgerlichem Namen Ryan Lee West heißt, weiß um das Identifikationspotential elektronischer Musik. Wie der kleine Junge, der in Bergmans „Persona“ versucht, eine Frau auf einem Bildschirm zu berühren, projiziert West seine Emotionen in Techno-Beats und Ambient-Sounds. „Ich mag es, etwas über mein Wesen in der Musik herauszufinden“, so West in einem Pressestatement. „Dieses Album ist gewissermaßen eine elektronische, klangliche Fortführung des Selbst.“

Und wie klingt dieses Selbst? Sehr düster. So beginnt der Titelsong mit an Burial erinnernden 2-Step-Drums und melancholischen Klangflächen, die jedoch im Verlauf des Stückes immer wieder von verzerrten Synthesizer-Sägezähnen zerteilt werden. Durch Songs wie „Hidden“ und „Phantom Grip“ ziehen sich lange, mitunter kaum erträgliche Spannungsbögen, die in vernichtenden Drums und Noise münden.

Doch Wests „Persona“ hat auch Platz für echte Schönheit: Wenn inmitten all dieses Techno-Nihilismus die zuckersüße Neoklassik-Miniatur „Be Kind“ erklingt, wird einem das Herz ein bisschen leichter. Auch der astrale Ambient von „Dreamers Wake“ lässt für vier Minuten in tiefster Nacht die Sonne aufgehen. West mag seine „Persona“ als Meditation über Identität und Persönlichkeit konzipiert haben – vor allem ist ihm aber eine andere Leistung gelungen: Es ist ein Album geworden, das gleichermaßen Beine, Hirn und Herz zum Tanzen bringen kann.

Veröffentlichung: 13. April 2018
Label: Erased Tapes

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