06.01.: Darauf kann man sich freuen

Seit 01. Januar ist MTV nicht mehr im Free-TV zu empfangen, und wenn wir ehrlich sind, es wäre uns bis jetzt nicht aufgefallen. Und das hat auch seinen Grund: „MTV hat uns an die Handyindustrie verraten“, schreibt der Tagesspiegel, denn „[…] in den letzten Jahren waren auf Druck der Aktionäre nach und nach die Nischensendungen aus dem Programm verschwunden, der Sender degenerierte zu einer endlosen Aneinanderreihung von lärmenden Ankündigungen, Klingeltönen und Billigserien.“ Die Folge ist, dass MTV nun also „[…] endgültig die Deutungshoheit in Sachen Jugendkultur ab[tritt]“. Ein Glück gibt es noch VIVA. Über ein paar andere Alternativen und wieso das Musikvideo in letzter Zeit wieder an Bedeutung gewonnen hat, schreibt der ArtikelTagesspiegels.

Die Idee der Visualisierung von Musik gab es schon früher, aber richtig begonnen hat die Ära der Musikvideos mit Live-Auftritten im TV. „Wer keine Zeit hatte, live zu spielen, schickte vorproduzierte Filme – wie die Beatles, die 1966 mit Penny Lane oder Strawberry Fields Forever die Technik erprobten.“
Ein schlichter Auftritt – so sah auch das erste Musikvideo einer wichtigsten Bands des letzten Jahrzehnts aus: „Last Night“ von den Strokes. Von der Band um Julian Casablancas hat man schon sehr lange nichts mehr gehört, das soll sich aber dieses Jahr ändern. Im März soll nun der Nachfolger des 2006er Albums „First Impressions Of Earth“ veröffentlicht werden, ist im NME zu lesen. Dort verspricht Bassist Nicolas Fraiture einen „classic sound“.

Das neue Album der Strokes gehört auch zur Bildergalerie der „21 things to look forward to in 2011“ des NME. Dort finden sich neben neuen Alben von Radiohead, Lady Gaga („more ‚poetic'“) und den Arctic Monkeys auch Filme wie „Thor“, „The Hangover 2“ oder „Black Swan“, für den Natalie Portman gute Chancen auf einen Oscar eingeräumt werden.

Sehr wahrscheinlich keinen Oscar wird in naher Zukunft Christina Aguilera bekommen. Die gibt gerade in „Burlesque“ leider wenig erfolgreich ihr Filmdebüt. Einen „Spiegel der Einfallslosigkeit der Musikindustrie“ nennt die Welt den Film, dabei hatte er ganz gute Voraussetzungen. Zum einen spielt Cher mit, zum anderen hat der Film ein Drehbuch, „das aus den Händen von Ex-Stripperin Diablo Cody (Oscar-gekrönt für „Juno“) und Susannah Grant (Oscar-nominiert für „Erin Brockovich“) so etwas wie eine wertkonservative Wiederaneignung der frivolen Erwachsenenunterhaltung aus dem Geist der Emanzipation hätte werden können“, aber „von Videoclip-Regisseur Steve Antin (dem früheren Freund des Plattenproduzenten und Dreamworks-Mitgründers David Geffen) zur Stichwortsammlung ausgedünnt“ wurde.

Sehr viel besser kommt da der Allen-Ginsberg-Film „Howl“ in der FR weg. Darin geht es um das gleichnamige Gedicht Ginsbergs, dem 1957 in San Francisco der Prozess gemacht wurde – „ein zügelloser, an Walt Whitman geschulter Wortschwall, in dem Ginsberg das apokalyptische Lebensgefühl der Beat-Generation mit damals unerhörter Drastik und saftigen Details beschwört“, der als „literarisch wertlose Obszönität verurteilt“ werden sollte. Der Film nähert sich der Geschichte durch vier Episoden: dem Gerichtsprozess, einem Interview mit Ginsberg (gespielt von James Franco), einer Lesung und einer Animation des Gedichts.

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