Exploded View – „Exploded View“ (Rezension)

Von Luise Vörkel, 22. August 2016

Cover des Albums Exploded View von Exploded ViewExploded View – „Exploded View“ (Sacred Bones)

Veröffentlichung: 19. August 2016
Web: explodedviewband.tumblr.com
Label: Sacred Bones

8,0

Eine Stimme so nonchalant tieftönend, so mühelos erhaben – sänge sie Einkaufsbons vom 1-Euro-Shop vor, auch in dem Fall würde man sich ihrem Klang sofort ergeben. Diese Stimme gehört Anika Henderson. Und die sorgte dafür, dass ihr Debüt „Anika“ eine durchweg fesselnde Angelegenheit wurde, obwohl das Album fast ausschließlich aus Covern bestand.

Der dunkle, uferlose Vibe, der Anikas Versionen etwa von Dylan- und The-Kinks-Stücken begleitete, breitet sich auch auf dem Erstling von Exploded View aus. Band und Album sind in Me­xi­ko-Stadt entstanden. Als Anika eine Backinggruppe für einige Konzerte in Amerika suchte, traf sie auf Martin Thulin, Hugo Quezada und Hector Melgarejo. Auf 2000 Höhenmetern – so schwindelerregend hoch liegt die Metropole – wurde „Exploded View“ in wenigen Takes live eingespielt.

Wie bei den lässigeren Momenten von Krautrock und Post-Punk betten Exploded View ihre Songs in Sphären, die dunkel, aber nicht betrüblich scheinen. Spielarten von Wave, die Band Au Pairs und die frühen Can lassen grüßen. Dark sein geht auch ohne Strenge und Ernst.

Der eisige Gesang von Anika gleitet über die gespenstischen und pulsierenden Improvisationen ihrer Mitmusiker. Die Songs von Exploded View wanken zwischen Betören und Bedrohung. „Disco Glove“ ist mit seinem feedbackgeladenen Stakkato eine kreiselnde Attacke, während Songs wie „Stand Your Ground“ oder „Killjoy“ nach und nach ihre kühle Stimmung wie Morgennebel ausbreiten und hier und da ins Spacige abgleiten.

Mit ihrem Debüt, so meint man, fangen Exploded View auch ein Stück von Me­xi­ko-Stadt ein. Von einer Stadt so reich an Ambivalenzen, dass sie eine zerstörerische Wirkung entfalten. Während die Millionen-Metropole immer weiter wächst, sinkt sie gleichzeitig ab. Der Vergleich ist zu schön, um ihn seiner Plattheit wegen auszulassen: Auch „Exploded View“ entfaltet in seinem klanglichen Ausufern zwischen Post-Punk, Minimal Wave und düsterem Dub einen starken Sog, der in die Tiefe zieht.

Exploded View live, präsentiert von ByteFM:

28.08.16 Hamburg – Uebel & Gefährlich
02.09.16 Berlin – Pop-Kultur Festival
08.09.16 Würzburg – Cairo
09.09.16 Leipzig – Conne Island

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