Neue Alben in dieser Woche (KW 37) – eine Auswahl

Black Mountain – „Wilderness Heart“
VÖ: 17.09.2010
Web: myspace
Label: Jagjaguwar
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„Ich werde nicht sagen, dass das neue Album das beste ist, was wir jemals gemacht haben – es ist der Schnappschuss eines bestimmten Moments“ erklärt Black Mountain-Frontmann Stephen McBean im Vorfeld zu The Wilderness Heart. Und bringt damit auf wunderbare Art die Herangehensweise
der fünf Kanadier an ihre Musik auf den Punkt: Es geht um Intuition, um einen spontanen Flow, um das Festhalten einer bestimmen Stimmung in Musik. Dabei zitieren sie wieder mühelos aus der großen vergangenen Rockgeschichte, ohne jemals als billiges Plagiat durchzugehen. Lediglich die psychedelischen Momente mussten ein wenig dem straighten und neuerdings folkigeren Passagen weichen – was das Album aber keinesfalls schlechter, sondern einfach anders macht. Klasse Band!

Les Savy Fav – „Root For Ruin“
VÖ: 17.09.2010
Web: myspace
Label: Wichita
Kaufen: ”iTunes"

Wer Les Savy Fav kennt, der erinnert sich gern an ihre Live-Shows und die Showeinlagen des Sängers Tim Harrington. Surfend auf einer Matratze sich über das Publikum tragen lassen nur in Unterhosen gekleidet. Oder in kleinen Clubs tanzend auf der Bar Getränke über sich und die Zuschauer schüttend. Das kann man sich immer wieder anschauen. Muss man sich aber nach vier regulären Alben seit 1997 und etlichen Singles und EPs noch ein fünftes anhören und kaufen? Noch gradliniger als der Vorgänger „Let´s stay Friends“ ist das neue geworden und das gefällt sicherlich denen die mit der Band gewachsen sind. Nicht mehr ganz so schroff und quer wie auf den ersten Platten präsentieren sich Les Savy Fav noch ausformulierter und punktgenau. Man wird ja nicht jünger. Austoben kann man sich auf den Konzerten. Wem Modest Mouse mittlerweile zu Mainstream ist, der wird sich hier Zuhause fühlen.

Edwyn Collins – „Losing Sleep“
VÖ: 17.09.2010
Web: myspace
Label: Heavenly Recordings
Kaufen: ”iTunes"

Vor fünf Jahren erlitt der Frontmann der legendären schottischen Band Orange Juice zwei Hirnblutungen, die ihn die Fähigkeit zu sprechen kosteten und ihn rechtsseitig lähmten. In einer mühsamen Reha musste Edwyn Collins das Sprechen erneut lernen, und manchmal bildet man sich beim Hören von „Losing Sleep“ ein, er habe noch Probleme mit der Artikulation mancher Wörter. Was Collins sich jedoch nicht wieder beibringen konnte, war das Gitarrespielen. So benötigte er für die Aufnahmen seines mittlerweile siebten Solo-Albums Hilfe. Und wohl dem, der so viele Bewunderer wie Collins hat. Johnny Marr, Alex Kapranos, Nick McCarthy, Roddy Frame, Romeo Stodart, Ryan Jarman und Szene-Liebling Jonathan Pierce halfen bei den Songs für „Losing Sleep“, und das Ergebnis ist ein anderes, als man es nach den Schicksalsschlägen vielleicht erwartet hätte: kein Trübsinn, sondern lebensbejahender, groovender Gitarren-Pop mit eingängigen Hooks, und dazu die unvergleichliche Stimme von Edwyn Collins. Musikalisch keine Revolution, aber eine wahre Freude.

The Vaselines – „Sex With An X“
VÖ: 17.09.2010
Web: myspace
Label: Sub Pop
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Nach geschlagenen zwanzig Jahren Pause kehren The Vaselines mit ihrem erst 2. Studioalbum zurück.
Die schottische Band, im Kern bestehend aus Frances McKee und Eugene Kelly, produzierte Ende der 80er ein paar Singles und einen Longplayer und erreichte paradoxerweise erst nach ihrer Auflösung 1989 internationale Bekanntheit. Unzählige Indiebands kopierten ihren Stil, Nirvana coverten drei Songs und Kurt Cobain benannte sogar seine Tochter Frances Bean nach der Vaselines Frontfrau.
„Sex With An X“ heisst das neue Album – passenderweise, McKee und Kelly waren früher ein Paar. Und genau wie damals machen sich die beiden in ihren Texten mit liebenswertem Sarkasmus über sich selbst und die Welt lustig. „It feels so good, it must be bad for me, let´s do it again!“ – Wie gut, dass sie es noch einmal machen. Mit „Sex With An X“ beweisen The Vaselines auch zwanzig Jahre danach, dass sie immer noch das Zeug zum Kultstatus haben.

Chief – „Modern Rituals“
VÖ: 17.09.2010
Web: myspace
Label: Domino
Kaufen:

Ein wunderbares Debüt bescheren uns Chief aus dem Sonnenstaat Kalifornien: Ihre Musik ist unüberhörbar vom 7ties Folk inspiriert, verzaubert aber vor allem durch ein super Gefühl für Stimmungen und gelungenes Songwriting. Chief sind vier Studienkollegen, die sich an der New York University kennenlernten, in Los Angeles aber ihre Heimat haben. Und so klingt ihre Musik ein wenig nach Heimweh, aber zum Glück nie kitschig oder schmalzig. The Coral kommen einem in den Sinn, aber weniger orchestral als zuletzt, und vielleicht Midlake, mit mehr Power. So kann der Sommer noch etwas bleiben.

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0 Kommentare
  1. posted by
    15.09.: Es wird wieder gebaut : ByteFM Magazin
    Sep 15, 2010 Reply

    […] Airplane und traditioneller Gitarrenmusik werden mit Sicherheit nicht enttäuscht. In unseren Neuerscheinungen könnt Ihr mehr über das Album erfahren und bei Interesse auf Quietus ein Interview mit Jeremy […]

  2. posted by
    21.12.: Mit dem “Knochenschlitten” nach “Hotlanta” : ByteFM Magazin
    Dez 21, 2010 Reply

    […] zurückgekehrt. Mit neuem Album – unsere Rezension zu “Losing Sleep” gibt’s hier – und neuer Lebenslust. Kurze Zeit nach den gesundheitlichen Rückschlägen begann ein […]

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