Neue Platten: CANT – „Dreams Come True“

(Warp)

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.

Wer? Als vor gut zwei Jahren mit “Veckatimest” das dritte Album von Grizzly Bear erschien, war die Kritik aus dem Häuschen: “Bezaubernder und geheimnisvoller wird man es diesen Sommer nicht mehr bekommen”, hieß es im Spiegel; bei der Spex war zu lesen, dass es schöner kaum werden könne. Ob das so ist, lässt sich bislang nicht mit Gewissheit sagen, haben Grizzly Bear doch noch nicht verlauten lassen, ob und wann es ein neues Album geben wird. Doch es gibt immerhin Material von einem einzelnen Grizzly-Bear-Mitglied, das man aktuell bestaunen darf: Chris Taylor, der Bassist und Produzent der Band aus New York, veröffentlicht dieser Tage “Dreams Come True”, sein Solodebüt unter dem Alias CANT.

Was? Es wäre falsch, Chris Taylor auch im Bereich seiner Solomusik nur auf seine Funktion als Teil von Grizzly Bear zu reduzieren. Viel zu eigenständig kommt “Dreams Come True” daher. Aufgenommen hat Taylor die Musik mit der Hilfe von George Lewis Jr., seinerseits bekannt durch seine Arbeit als Twin Shadow. Alleine Lewis’ Chillwave-Einfluss, der in den Stücken “Believe” und “Answer” am ehesten zum Tragen kommt, reicht bereits als Abgrenzung zu Chris Taylors Mutterband. Die beiden Musiker haben ein ideenreiches Werk geschaffen, das nur so sprudelt vor unterschiedlichen Klangfarben – die noch dazu unkonventionell umgesetzt werden. In “The Edge” beispielsweise sind zunächst verschiedenste von einem entspannten Beat begleitete Synthesizer-Sounds zu hören, ehe die Rhythmik nach der Hälfte unvermittelt bremst, um dann andere Klänge einsetzen zu lassen. Diese wirken fast wie einer neuer Song, der irgendwann ebenso abrupt wieder endet, wie er vermeintlich angefangen hat. Aber das ist nur ein Beispiel für die zahlreichen Ideen, die vorhanden sind, entwickelt werden, die wieder abgebrochen werden, und dadurch ihren eigentlichen Reiz entfalten. Selten wurde Sperrigkeit so wunderschön, verträumt und fesselnd umgesetzt.

Warum? Es ist die Stärke von “Dreams Come True”, dass die Grundgedanken oft nicht vollständig ausgereizt und -gelebt werden. Das verschafft dem Werk einen gewissen rohen Charakter, es bleibt Raum, der bereits jetzt die Hoffnung auf ein zukünftiges CANT-Album weckt, dem sich vielerlei spannende Ansatzpunkte bieten werden. Doch weg von den Schwelgereien zurück ins Jetzt: Wenn das Album nach dem seltsam entrückten, dennoch wunderschönen Song “Bericht” plötzlich endet, bleibt einem nur die Möglichkeit, die Nadel erneut an den Beginn dieser Platte mit etlichen Widerhaken gespickter Popmusik zu setzen.

Label: Warp/Terrible Records | Kaufen

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