Neue Platten: Erdbeerschnitzel – "Tender Leaf"

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4,5

Erdbeerschnitzel … Erste Assoziationen eines jahrelangen Vegetariers: Frucht vs. Fleisch, Passion vs. Ekel. So richtig passt das nicht zusammen, kann es auch gar nicht, weil aus Überzeugung. Rudimentäre Kindheitserinnerungen bestätigen das allmähliche Nachlassen meiner Leidenschaft für Fleisch auch mit Kombination von Früchten. Zugegebenermaßen eine sehr subjektive Sicht der Dinge, dennoch passen die Bilder in den Kontext dieser Platte. Ein Erdbeerschnitzel wird man sicherlich weder in einem Kochbuch noch auf einer Speisekarte in einem angesagten Café finden – musikalisch würde es dennoch an diesen Ort passen.

Hinter dem irritierenden Pseudonym versteckt sich Tim Keiling, der mit „Tender Leaf“ im November seinen zweiten Longplayer auf Mirau veröffentlichte. „Tender Leaf“ bedient sich an dem genretypischen hybridartigen Charakter der Housemusik. Hörbare Einflüsse aus Soul, Funk und Disco sind auszumachen. Der Opener „Hello“ führt uns in die Platte und beschreibt zugleich, in welche musikalische Richtung das neue Werk geht. Eingebettet in ein warm-funkiges House-Gewand, überlappen sich Samples, Beats, Vocals und Synthesizerklänge zu einem harmonischen Ganzen, das trotz seiner Wildheit und Genre-Mixes funktionieren kann. Kann, nicht muss! Denn was hier vereinzelt durchaus bewegt, fällt auf ganzer Länge stark ab. Zu offensichtlich plätschern die bisweilen einfach gestrickten House-Beats vor sich hin. Da helfen auch die teilweise schönen Arrangements im Hintergrund nicht aus. Ein richtiger Höhepunkt lässt sich nicht ausmachen. Vielmehr bekomme ich das Gefühl, Erdbeerschnitzel könnte liebend gerne im Hintergrund in einem Café laufen, bei einer netten Unterhaltung mit Kaffee und Kuchen – tut schließlich auch niemanden weh. Ein wenig mehr Abwechslung hätte den Songs nicht geschadet, denn ein roter Faden ist im erdbeerschnitzelschen Kosmos durchaus zu erkennen. Dennoch: Manchmal ist weniger mehr! Die Platte wird sicherlich ihre Abnehmer finden, persönlich kann ich leider wenig damit anfangen, weil zu eintönig und beliebig. Dann höre ich doch lieber Caribou und esse ein vegetarisches Schnitzel.

Label: Mirau | Kaufen

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