Neue Platten: Me And Cassity – "Appearances"

Von felixdabbert, 10. Januar 2012

(Tapete)(Tapete)

6,7

Mit „Appearances“ erscheint dieser Tage das vierte Album, das Dirk Darmstaedter als „Me And Cassity“ veröffentlicht. Eines vornweg: Ich bin kein Darmstaedter-Experte, kenne ihn eher als Tapete-Labelchef und Hin-und-wieder-Gesangspartner von Bernd Begemann. Auch fällt mir nichts zur Getränkegläserfixiertheit des Videos zur ersten Single „Fred Astaire“ ein, leider, jemand anderes hätte hieraus vielleicht ein geniales Bonmot basteln können. Doch nun zum Album:

„Appearances“ ist ein Album, das definitiv nicht nach 2012 klingt. Das ist eine Platte, die als Soundtrack zum Roadtrip ebenso gut funktionieren würde wie sie es als Hintergrundmusik im Café oder einfach zum Hören daheim auf dem Sofa tut. Darmstaedter erwähnte im Interview mit ByteFM Moderator Frank Lechtenberg, dass auf „Appearances“ Poppigkeit bei der Auswahl der Stücke das Credo war. Er ließ sich dabei von Musikern wie Todd Rundgren oder den Turtles inspirieren, auch Burt Bacharachs Einfluss kann man z. B. im Stück „The Last Troubadour“ deutlich vernehmen. Zum Takt von „Time To Put The Hammer Down“ hört der Fuß gar nicht mehr auf zu wippen – bei auch im ethanolarmen Zustand tanzaffineren Menschen mag da sogar mehr passieren – und die Harmonien im eingangs erwähnten „Fred Astaire“- gesungen von Therese Johannson, die Darmstaedter im schwedischen Göteborg rekrutieren konnte – vermögen durchaus für aufgestellte Nackenhaare zu sorgen.

Die Texte drehen sich auf „Appearances“ um die üblichen Verdächtigen: Liebe, Beziehungen und Verlassen werden, um das Weitermachen trotz aller Widrigkeiten („Bring It On“) und dabei nimmt Darmstaedter sich ja auch nicht viel zu anderen Hamburger Kollegen seiner Altersklasse. Hierbei beschleicht mich jedoch die Befürchtung, wie Darmstaedter auch selbst in den nächsten 20 bis 30 Jahren keine weiteren Einsichten auf diese Themen erlangt zu haben, die nicht auch jetzt schon naheliegen würden. Vielleicht habe ich auch einfach das Gefühl, fast die gleichen Texte schon zu oft von Männern im „besten Alter“ gehört zu haben, nur an anderer Stelle halt auch besser.

Dennoch wirkt „Appearances“ auf jeden Fall sehr wohltuend nach den letzten, feiertagsbedingt veröffentlichungsarmen Wochen, wenn auch für meinen Geschmack von Zeit zu Zeit zu wohltuend – böse ausgedrückt kann man es nämlich auch als glatt produzierte Altherrenpopplatte bezeichnen, Schroffheit ist hier Fehlanzeige und wäre „Appearances“ ein Gericht, spräche ich mich für Rotwein als Begleitung aus. Aber muss ja auch nicht immer Nonstop-Wodka-Komasaufen sein, hin und wieder hat man ja auch mal einen Kater.

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