Neue Platten: Omar Souleyman – „Bahdeni Nami“

Von Luise Vörkel, 27. Juli 2015

Cover des Albums Bahdeni Nami von Omar SouleymanOmar Souleyman – „Bahdeni Nami“ (Monkeytown)

6,0

Einmal den Lebensunterhalt bei einer Hochzeitsband verdienen, jedes Wochenende ein ausgewähltes Oldie- und Schlagerprogramm bieten, das jedes deutsche Hit-Radio in den Schatten stellt, das ist der Alptraum von einigen ambitionierten Musikerinnen und Musikern. Sie haben aber vielleicht einfach den falschen Arbeitsort im Sinn. Denn im arabischen Raum folgen Hochzeitsmusik und -tanz bestimmten Traditionen, die meilenweit vom Alleinunterhaltertum entfernt sind.

Die sogenannten Dabke-Tänze sind zum Beispiel ein Teil davon. Und Omar Souleyman ist ein Meister dieser Disziplin. Mit 28 Jahren begann Souleyman, der Mitte der 60er-Jahre im Nordosten Syriens geboren wurde, Hochzeitsfeste in seinem Land musikalisch zu begleiten. Die Aufnahmen davon wurden dem Ehepaar geschenkt, und zusätzlich oft kopiert und an lokalen Kiosks vertrieben. 500 solcher Kassetten sollen von Omar Souleyman im Umlauf sein.

Damit fand der Musiker, der vor dem Krieg in seinem Heimatland in die Türkei geflohen ist, zum Beispiel bei Björk Gehör. Die Isländerin entdeckte Souleyman auf YouTube und stellte ihn 2009 beim US-Radio NPR vor. Der Name des Formats erfüllte seinen Zweck – „You Must Hear This“, also „Das musst du hören“. Musiker wie Caribou, Four Tet und Modeselektor ließen sich auch von Omar Souleymans energiegeladenen Stücken begeistern.

2013 erschien mit „Wenu Wenu“ das erste Studioalbum, jetzt kommt der Nachfolger „Bahdeni Nami“, aufgenommen in Istanbul, veröffentlicht auf dem Modeselektor-Label Monkeytown. Neben den Labelköpfen haben die Briten Gilles Peterson und Kieran Hebden alias Four Tet ihre Finger als Produzenten mit im Spiel. Sie scheinen die Aufnahmen jedoch nur in kleinem Maße beeinflusst zu haben. Omar Souleyman entfaltet auf sechs Stücken, die meist die 8-Minuten-Marke überschreiten, das große Spektakel, für das er bekannt ist.

Seine an Emotionen reiche Stimme trifft auf traditionelle Bläser und Saiteninstrumente wie die Saz, gespielt von Khaled Youssef, sowie auf einen Synthesizer, der teilweise ordentlich Partystimmung verbreitet. Ahmad Alsamer, Souleymans Lieblingsdichter, schrieb die Texte, die von Liebe, Sehnsucht und Leidenschaft handeln.

Das Tempo ist meist im Galopp, dazu wird frenetisch geklatscht und ausgerufen. Bei „Leil El Bareh“, das mit einem unauffälligen Housebeat beginnt, fällt es schwer, beim Tanzen auf den Füßen zu bleiben. „Enssa El Aatab“ geht stoisch nach vorne, angetrieben von hohen Flötenklängen. Beim Titeltrack „Bahdeni Nami“ liefert sich eine übertrieben-fröhliche Synthiemelodie einen Kampf mit Souleymans sicherem Gesang. Diese Energie und Virtuosität, dieser Überschwang macht süchtig und ein bisschen schwindlig.

Label: Monkeytown
Kaufen: artistxite-Shop

Omar Souleyman live, präsentiert von ByteFM:

05.08.15 Hamburg – Kampnagel (im Rahmen des Internationalen Sommerfestivals Hamburg)

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