Neue Platten: Will Archer – „Company“

Cover des Albums Company von Will ArcherWill Archer – „Company“ (Weird World)

8,0

Drei Jahre Arbeit reduziert auf 42 Minuten, um die 400 Stücke komprimiert auf zehn Tracks. Das ist „Company“, das Debütalbum von Will Archer, der überall außer im deutschsprachigen Raum, wo eine Punkband ihm ein paar Jahrzehnte zuvorgekommen ist, unter dem Namen Slime auftritt. Will Archer ist einer der Kategorie britisches Wunderkind. Angeblich hat die Kaffeefabrik seines Vaters bei ihm eine Faszination für Rhythmus ausgelöst. Da lag das Schlagzeuglernen nah. Bis zu seinem 18. Geburtstag hatte sich Will Archer dann zig weitere Instrumente beigebracht und nebenbei Garage-Partys in Newcastle veranstaltet.

Seitdem erschienen zwei EPs, der Musiker zog zum Studieren nach London und ging allerlei Projekten und Kollaborationen nach, trat zum Beispiel mit einem Jugendorchester in der Tate Modern auf und schrieb Stücke für Popstars, die diese dann in die Charts trugen. Will Archers Leben muss mit einer enormen Geschwindigkeit ablaufen, seinem Debütalbum ist das aber nicht anzuhören. „Company“ ist Gesellschaft für ruhige Orte und Stunden.

Wenn man eines vom Album auf die Person Will Archer schlussfolgern kann, dann ist es sein Breitbandinteresse an einer Vielzahl von Genres. Geschmeidiger Jazz, TripHop-Akzente, House, HipHop-Beats, die Ausläufer von Post-Dubstep – alles verschmilzt zu einer honigsamtigen Mischung. Die beginnt ganz leise mit „Thurible“: Gleitende Töne schieben sich über eine simple Snare, dann bringt eine Oboe mit fünf Tönen Leben in die Sache, geschmückt von einer Prise R&B-Gesang.

Der taucht in den Tracks „Hot Dog“ und „At Sea Again“ mit Selah Sue als Gaststimme prägnanter auf und weckt Erinnerungen an Mittneunziger-House. Klingt 2015 jedoch weitaus weniger schmalzig, dank der ausgetüftelten Arrangements von Archer. „My Company“ ist eines der dichteren Stücke auf dem Album: Eine zurückgenomme Bassline, Handclaps und eine Glockenspielmelodie fügen sich zu einem ziemlich tanzbaren Ganzen. „The Way Of Asprilla“ besteht fast nur aus einem Hauch von Sound, der immer wieder in das Stück hinein und heraus gleitet, aber mit einer Handvoll weiterer Klänge ausgestattet wird der Song zu einem großartigen Track für die Afterhour.

Entstanden ist „Company“ übrigens in Eigenregie: Will Archer nahm jedes Instrument in seinem eigenen, kleinen Studio auf. Gerade stellt er eine Band für die Live-Premiere zusammen. Wenn das so weitergeht, bringt Archer in ein paar Jahren Post-Dubstep in die Philharmonien.

Label: Weird World

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